Merkel sagt Krankenkassen Kampf an
Merkel verteidigte die Pläne. «Da haben wir Riesiges geschafft», sagte sie. «Die Krankenkassen versuchen durchaus eine Kampagne zu machen mit dem Geld der Versicherten, wo ich sehr zweifelnd bin, ob das in Ordnung ist, um nicht zu sagen: Ich finde es nicht in Ordnung, und ich finde jeder in diesem Land, und das gilt jetzt auch für die Krankenkassen, muss sich mal um die kümmern, die betroffen sind.» Die Koalition wolle Sicherheit für die Versicherten. Dem werde die Reform gerecht. «Wir werden das auch gemeinsam durchkämpfen. Ich bin da sehr, sehr entschlossen, auch gegen die, die ihre Besitzstände wahren wollen, vorzugehen.»
Das Bundesgesundheitsministerium hatte den Kassen rechtliche Konsequenzen wegen der geplanten Informationskampagne aus Beitragsgeldern gedroht. Ahrens sagte dazu: «Davon lässt sich die AOK nicht einschüchtern. Wir sagen, was Sache ist, auch wenn das manchem in Berlin nicht passt.»
Seehofer sagte, die Koalition wolle mit der Reform eine Milliarde Euro an «ungerechtfertigten Ausgabensteigerungen» bei Arzneimitteln zurückholen. Es sei «einer der ärgerlichsten Vorgänge der letzten Jahre», dass die Arzneimittelausgaben in Deutschland von 17 auf 25 Milliarden Euro stiegen, obwohl die Zahl der Verordnungen deutlich zurückgegangen sei, sagte der Ex-Gesundheitsminister dem Berliner «Tagesspiegel». «Der deutsche Markt ist benutzt worden, um über hohe Preise die Krankenkassen und damit auch die Versicherten zu belasten.» Diese Steigerung der Arzneimittelkosten sei «medizinisch nicht begründbar», sagte Seehofer weiter. «Es werden nicht zu viele Medikamente verschrieben, sondern zu teure.»
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) geht davon aus, dass die Entwicklung im Gesundheitswesen wegen weiter steigender Kosten durch den medizinischen Fortschritt und die höhere Lebenserwartung langfristig auf eine Grundsicherung hinausläuft. «Das System ist überhaupt nur noch steuerbar, wenn wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, wenn also alle unabhängig von ihren Vermögensverhältnissen alle lebensnotwendigen Leistungen bekommen. Man muss alles, was nicht unbedingt lebensnotwendige Leistungen sind, herausnehmen», sagte er. (nz)

