Privatpatienten sind «Parasiten» der Kassen
Dies sei der «entscheidende Weg um die Zwei-Klassenmedizin zu beenden», sagte er. Damit widersprach er dem Generalsekretär der CDU, Ronald Pofalla, der sich gegen Änderungen bei der Privaten Krankenversicherung (PKV) wandte. «Für uns ist völlig klar, dass es ein Rütteln an der Existenz der Privaten Krankenversicherung nicht geben darf», sagte Pofalla. Er verwies auf den Koalitionsvertrag: Darin sei festgelegt, dass es bei der pluralen Struktur zwischen gesetzlichen Kassen und PKV bleiben solle.
Dem widersprach SPD-Experte Lauterbach. Nach seinen Worten unterstützen die Kassen die Privaten. Die Praxiseinrichtung der Ärzte und die Ausstattung der Kliniken würden weit gehend über die Einnahmen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) finanziert. Damit schüfen sie die Voraussetzung, dass die Mediziner überhaupt Privatpatienten behandeln könnten. «Die PKV lebt im Grund parasitär von den gesetzlichen Kassen», so Lauterbach. Dieses Verhalten sei «nicht schützenswert».
Immerhin zeigte sich die PKV offen für etwas mehr Durchlässigkeit zu den gesetzlichen Kassen. Der Direktor des Verbands der privaten Krankenversicherung, Volker Leienbach, sagte im Deutschlandfunk, freiwillig gesetzlich Versicherten könne ein Basisschutz wie bei den Kassen angeboten werden – unabhängig vom Gesundheitszustand und Alter, was den sonstigen Bedingungen der PKV widerspricht.
«Das ist ein großer Schritt für die Branche», sagte Leienbach. Das Gesundheitsministerium reagierte positiv auf den Vorschlag. An diesem Mittwoch kommen die 16 Unterhändler von Union und SPD in Berlin zusammen, um ihre Beratungen über die künftige Finanzierung des Gesundheitswesens fortzusetzen. Bis zur parlamentarischen Sommerpause Anfang Juli sollen die Eckpunkte der Reform stehen. (nz)
