Blüm streitet mit «Bild»-Chef über Rentenlüge
Schon im Januar zog sich die Zeitung nach Berichten über angeblich deutlich sinkende Rentenansprüche in den kommenden 30 Jahren heftige Kritik zu. Daraufhin führte das Blatt ein kurzes Interview mit Blüm über dessen einstige Renten-Prognosen und veröffentlichte dieses als «BILD-Verhör» unter der Schlagzeile «Herr Blüm, sind Sie ein Renten-Lügner?». Darin verteidigte Blüm die früheren Modellrechnungen, nannte «Bild»-Tabellen zur Rentenentwicklung «Schwindel» und erklärte, auch die Vorhersagen der privaten Rentenversicherer seien unsicher.
«Wer so kräftig zuschlägt, wie Sie zuschlagen lassen, der wird ja nicht um Argumente verlegen sein oder doch?» schrieb Blüm in dem Schreiben, das der Netzeitung vorliegt. Diekmann wollte sich gegenüber der Netzeitung zu dem Schriftwechsel nicht äußern.
Dem entgegnete Blüm, Diekmann finde wohl keine Zeit für ihn, weil die losgetretene «Rentenkampagne» viel Arbeit koste: «Manipulation von Statistiken und Diffamierungen sind nicht mit leichter Hand zu machen. Einfache Interviews werden dann von 'Bild' als 'Verhör' angeboten, um in der Staffage der Kriminalisierung von Verteidigern des Rentensystems auch nichts auszulassen.»
Auch Blüm hält die Berechnungen für unrealistisch: Wenn tatsächlich die Inflation in den kommenden Jahrzehnten bei zwei Prozent pro Jahr läge, die Löhne aber nur um ein Prozent stiegen, «dann wäre nicht nur die Rentenversicherung gefährdet, sondern die 'Bild'-Zeitung wahrscheinlich bankrott», hält der Politiker Diekmann vor. Zudem sei dann auch die private Altersvorsorge, für die «Bild» werbe, am Ende, da ihr die Beitragszahler ausgingen: «Von den geschrumpften Reallöhnen könnte dann auch kein Geld für Privatvorsorge abgezweigt werden.»
Blüm weist in dem Antwortschreiben an Diekmann darauf hin, dass das statistische Material des Blattes von einem Institut geliefert wird dem Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) -, «das der Deutschen Bank nahe steht». «Bild» hatte als Quelle im Januar zwar das DIA genannt, aber die Beziehungen des Instituts zur Finanzbranche unerwähnt gelassen. In einem weiteren Bericht ließ die Zeitung einen Experten des DIA erklären, wie man am besten privat vorsorgt.
Auf die Vorwürfe, Statistiken zu manipulieren und aus eigenem Interesse für die private Rente «Propaganda» zu betreiben, geht Diekmann im Antwortbrief vom 18. Mai nicht ein. Er schreibt lediglich, es sei «unumstritten», dass die Rente einen auskömmlichen Lebensabend nicht mehr sichere.
Dass die Rente wie von Blüm einst behauptet sicher sei, bezweifelt Diekmann: «Ohne kreditfinanzierte Staatszuschüsse in Milliardenhöhe, also ohne skandalöse Verlagerung der Kosten auf kommende Generationen, wäre die Rentenkasse schon heute pleite. Und dennoch sollen die Rentenbeiträge weiterhin steigen.»
Blüm warnte am Dienstag in einer Entgegnung auf Diekmanns Brief den Chefredakteur, «mit dem Begriff 'Rentenlüge' sparsam umzugehen», und drohte indirekt mit juristischen Schritten. Diekmanns Brief sei im übrigen «ein wertvolles Dokument argumentativer Verlegenheit», da er zum Vorwurf der Manipulation kein Wort geschrieben habe, so Blüm. Er bitte «höflich» um weitere «so aufschlussreiche Briefe».
Für das Web ediert von Matthias Breitinger

