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Kassenärzte weisen Sparforderungen zurück
22. Mai 2006 16:23, ergänzt 22:03
 |  Arztpraxis | | Foto: dpa |
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Die Ärzte fühlen sich von SPD-Fraktionschef Struck provoziert - die Behauptung, die Mediziner seien schuld an den immensen Kosten im Gesundheitswesen, sei falsch.
Die Kassenärzte wehren sich gegen neue Sparforderungen der Politik. Schon «unter den herrschenden Bedingungen» sei eine gute Versorgung der Patienten nicht mehr möglich, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, am Montag in Magdeburg.Auch KBV-Vorstand Ulrich Weigeldt wies die Forderung von SPD-Fraktionschef Peter Struck vom Wochenende zurück, es müsse mehr zu Lasten von Ärzten und Apothekern gespart werden, um die Kosten im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bekommen. Struck hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, die Koalition müsse bei den Einsaprungen «Mut vor Fürstenthronen» beweisen. «Ich rechne mit einem Proteststurm von Ärzten, Apothekern und Pharma- Industrie, weil wir gewachsene Besitzstände und Pfründe angreifen werden.» Weigeldt bestritt, dass – wie von Struck behauptet – die Ärzte in Deutschland für überhöhte Arzneimittelkosten sorgten. Die Versorgungskosten lägen im europäischen Durchschnitt, die Steigerungsraten im Durchschnitt westlicher Länder, sagte Weigeldt. Sie seien dem medizinischen Fortschritt geschuldet, den man den Patienten nicht vorenthalten wolle. Durch Kostendämpfung allein sei das System nicht zu sanieren.
Hartmannbund fühlt sich provoziert
Der Ärzteverband Hartmannbund mahnte Struck, nicht neue Proteste zu provozieren. Die Ärzte kämpften darum, ihre Existenz zu sichern und die Versorgung der Patienten aufrecht zu erhalten. «Ich warne Herrn Struck und andere dringend davor, mit dieser Zündelei einen Flächenbrand zu erzeugen, den sie nicht mehr in den Griff bekommen», sagte Hartmannbund-Chef Kuno Winn. KBV-Chef Köhler sagte, die jüngsten Ärzteproteste seien «richtig und wichtig». «Die Basis protestiert unüberhörbar gegen das Kaputtsparen des Systems.» Die Ärzte wollten auch bei der geplanten Gesundheitsreform «nicht nur Zaungäste» sein. Köhler forderte von der Bundesregierung ein neues System der Bezahlung «in Euro und Cent». Derzeit werden Ärzte nach einem komplizierten Punktsystem bezahlt, wobei sich das Budget nach den Einnahmen der Krankenversicherung richtet.
Weniger Einzelpraxen
 |  Peter Struck | | Foto: dpa |
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Auf Kranke kommen nach Köhlers Darstellung in den kommenden Jahren gravierende Neuerungen zu. So werde es künftig immer mehr Versorgungszentren geben, einzelne Ärzte in eigener Praxis würden seltener. Das Modell der Versorgungszentren mit zahlreichen Medizinern unterschiedlicher Disziplinen habe sowohl für die Ärzte als auch für die Patienten Vorteile, betonte der KBV-Vorsitzende.So müssten die Kranken bei Überweisung nicht unterschiedliche Praxen aufsuchen. Andererseits seien die Zentren auch für Ärzte günstig, die zum Beispiel im Angestelltenverhältnis Teilzeit arbeiten könnten. Verpflichtende Hausarztmodelle, nach denen Patienten immer zuerst zum Hausarzt gehen müssen, lehnte Köhler ab. Dies würde zu nicht hinnehmbarer «staatlicher Einflussnahme» führen. Mehrere Ärzteverbände machten außerdem eigene Vorschläge für eine Reform der Krankenversicherung: So plädierte der Hausarztverband für eine Stärkung seines Berufsstands durch bessere Honorare und wählbare Hausarzttarife der Krankenkassen. Der Marburger Bund forderte eine Versicherungspflicht für alle Bürger sowie den Zwang für Krankenkassen, jeden aufzunehmen. Zudem müssten die freie Arztwahl erhalten und zusätzliches Geld für eine bessere Ärztevergütung im Krankenhaus eingeplant werden. (nz)
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