netzeitung.deBevölkerungsschwund setzt Städte unter Druck

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Fußgängerzone in Nordhessen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fußgängerzone in Nordhessen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Rückläufige Geburtenzahlen und die Alterung der Bevölkerung werden deutsche Städte grundlegend verändern. Die Kommunen müssen reagieren.

Von Thomas Strünkelnberg

Jede zweite Gemeinde mit mehr als 5000 Einwohnern in Deutschland wird bis zum Jahr 2020 schrumpfen. Das geht aus einer Datenerhebung der Bertelsmann Stiftung hervor. In allen untersuchten Kommunen wird das Durchschnittsalter deutlich ansteigen – in Einzelfällen bis auf über 55 Jahre.

Während wirtschaftlich starke Regionen Menschen anziehen, verlieren ärmere Gebiete im Osten und im Ruhrgebiet weiterhin Einwohner. Geld, dem gegenzusteuern, haben die Kommunen nicht. «Defizitäre Finanzen können aber nicht als Entschuldigung dienen, wenig oder gar nichts zu tun», sagt Carsten Große Starmann. Er ist Projektmanager bei der Bertelsmann Stiftung und zuständig für ein Internet-Frühwarnsystem zur Bevölkerungsentwicklung in 2959 Städten und 432 Landkreisen.

In Ostdeutschland sind zwischen 90 und 95 Prozent der Städte und Gemeinden vom Einwohnerschwund betroffen. Der «Wegweiser Demographischer Wandel» genannten Internetdatenbank zufolge leiden die Städte Wolfen in Sachsen-Anhalt sowie Hoyerswerda und Weisswasser in Sachsen am stärksten: Bis 2020 werden sie voraussichtlich 47 Prozent ihrer Einwohner verlieren. Vor allem die 18- bis 24- Jährigen wandern ab.

«Der Osten erlebt, was dem Westen in Zukunft bevorsteht», warnt Große Starmann. Denn die Menschen verlassen künftig verstärkt vor allem ländliche Gebiete. So gewinnen Kommunen nahe wirtschaftsstarker Großstädte bis zum Jahr 2020 bis zu 40 Prozent an Bevölkerung. Beispiele sind Ahrensfelde bei Berlin oder Wentorf bei Hamburg.

«Die Kommunen sind der Ort, wo der demographische Wandel unmittelbar und unausweichlich erlebt wird», sagt Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Stiftung. Allen Kommunen gemein ist, dass das Durchschnittsalter der Bewohner bis 2020 deutlich steigt, etwa in Wolfen auf mehr als 56 Jahre. Selbst in Cloppenburg, einer Stadt mit einer der bundesweit höchsten Geburtenraten, steigt es bis 2020 von 38 auf 42,5 Jahre.

«Es ist ein Problem, mit dem die Gesellschaft fertig werden muss», sagt Andreas Esche, Leiter der Aktion Demographischer Wandel. Die Datenbank, die Städte in 15 unterschiedliche Demographietypen einteilt, hält entsprechende Konzepte bereit. Etwa im Falle Güterslohs, das zum Typ «Stabile Mittelstädte und regionale Zentren mit geringem Familienanteil» zählt, rät das System, die Position als Wirtschaftszentrum zu stärken und das Angebot für qualifizierte Arbeitskräfte zu verbessern. Außerdem sollte die Stadt die Angebote für Senioren ausbauen und die Wohnqualität für Familien erhöhen. (dpa)