netzeitung.deAuf Rentner kommen «bittere» Einschnitte zu

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VDK-Präsident Walter Hirrlinger (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe VDK-Präsident Walter Hirrlinger
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Sozialverbände befürchten, dass wegen der Pläne der Großen Koalition immer mehr Rentner auf Sozialhilfe-Niveau fallen. Diese Entwicklung könne «irgendwann zur Explosion führen».

Der Präsident des Sozialverbands VDK, Walter Hirrlinger, hat vor einem erheblichen Kaufkraftverlust der Rentner gewarnt. Aufgrund der Inflation und ausbleibender Rentenerhöhungen könnten die Renten bis 2009 real um sechs bis acht Prozent sinken, sagte Hirrlinger am Dienstag der Nachrichtenagentur epd.
VDK warnt vor «Explosion»
Hintergrund ist der so genannte «Nachholfaktor», den Union und SPD in die Rentenformel einführen wollen. Um derzeitige Rentenkürzungen zu verhindern, sollen diese erst später – nach 2011 – mit künftigen Rentenanstiegen verrechnet werden. Damit werde es voraussichtlich in den nächsten vier Jahren keine Anpassung der Renten an die Löhne geben, beklagte Hirrlinger.

Außerdem müssten die Rentner durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2007 Kaufkraftverluste hinnehmen. Wie hoch diese sein werden, sei schwer zu schätzen, sagte Hirrlinger. «Aber so viel ist klar: Es geht um Milliarden, die den Rentnern weggenommen werden.» Das sei eine Entwicklung, «die irgendwann zur Explosion führen kann». Ein Teil der Steuererhöhung soll für die Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung verwendet werden, doch davon profitieren Rentner nicht.

«Schwere Zumutungen» für Rentner
Für drei Viertel aller Rentner seien die Einschnitte «bitter», ergänzte Hirrlinger. Viele Rentner bewegten sich jetzt auf die Grundsicherung zu. «Renten auf dem Niveau des Sozialhilfesatzes – das kann es nicht sein», kritisierte der VDK-Präsident. Nach Angaben des Verbandes hat rund die Hälfte der männlichen Rentner in Deutschland eine Rente bis zu 1000 Euro im Monat. Zwei Millionen Rentnerinnen müssten mit 650 Euro auskommen.

Zuvor hatte auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) den Koalitionären von SPD und Union vorgeworfen, im Koalitionsvertrag «schwere Zumutungen» für Rentner vereinbart zu haben. SoVD-Präsident Adolf Bauer sprach von einer «massiven Rentenkürzung durch die Hintertür».

Unternehmen in Verantwortung nehmen
Bauer beklagte zugleich die geplante stufenweise Erhöhung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre. «Für die betroffenen Jahrgänge bedeutet dies eine weitere Rentenkürzung», so Bauer. Experten gehen davon aus, dass künftig Ältere auch weiterhin faktisch vor 65 in Rente gehen werden – bei einer Anhebung des Renteneintrittsalters führt die frühere Verrentung aber zu einem stärkeren Abschlag.

Der Verband verkenne nicht die außerordentlich schwierige Situation, in der sich Deutschland befinde. «Dringlichstes Ziel ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit», so Bauer. Hier seien auch die Unternehmen in der Verantwortung. «Wir fordern die Wirtschaft auf, die erzwungene Frühverrentung älterer Arbeitnehmer auf Kosten der Allgemeinheit zu stoppen.»

Kürzlich hatte Bauer angekündigt, Rentner-Proteste gegen die geplanten «Dauer-Nullrunden» zu organisieren. Auch VDK-Präsident Hirrlinger drohte bei weiteren Kürzungen wie der bereits in Koalitionskreisen diskutierten Erhöhung der Krankenkassenbeiträge mit «massiven Protesten». «Vor zwei Jahren haben wir 50.000 Rentner auf die Straße geholt. Nächstes Mal werden es mehr sein», sagte er. (nz)