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Vor 40 Jahren starb der «Jesus mit Knarre»

09. Okt 2007 10:29
Che-Poster bei einer Demonstration in Wien
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Mit seinem tatsächlichen Leben hat der Mythos nur noch wenig zu tun: 40 Jahre nach seiner Ermordung ziert Che Guevaras bärtiges Konterfei T-Shirts und Bettwäsche.

Am 9. Oktober 1967 torkelt ein betrunkener bolivianischer Soldat in ein schäbiges Schulhäuschen und mäht mit zwei Salven aus seinem Schnellfeuergewehr einen zerlumpten Mann nieder. Der Feldwebel Mario Terán, der sich Mut für die ihm befohlene Tat angetrunken hatte, machte sein Opfer, den Argentinier Ernesto Guevara, damit unsterblich: Der Mythos vom edlen Revolutionär Che Guevara war geboren. In den 40 Jahren seit seinem Tod hat die Verehrung für den «edlen» Revolutionär bisweilen religiöse Züge angenommen.

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  • Im kollektiven Gedächtnis politisch linker Lateinamerikaner und weit darüber hinaus geistert der Arzt und Guerillero auch heute noch als eine Art «Jesus mit Knarre» herum, wie Wolf Biermann in seinem Lied «Commandante Che Guevara» einmal dichtete. 1999 ließen die Kirchen in Großbritannien sogar ein Jesus-Plakat drucken, das dem Poster von Che Guevara nachempfunden war. Seine Kritiker hingegen brandmarken ihn als «stalinistischen Massenmörder» und Vorläufer Osama bin Ladens, weil er in einem Interview mal gesagt haben soll, er hätte nichts dagegen, wenn New York dem Erdboden gleich gemacht werde.

    Mit dem tatsächlichen Leben und Wirken des am 14. Juni 1928 in der argentinischen Stadt Rosario geborenen Ernesto Guevara hat die Legende vom modernen Jesus nur in einem, allerdings wichtigen Punkt zu tun: Er setzte sich bis zur Selbstaufopferung für eine gerechtere Welt ein. Zeit seines kurzen Lebens blieb er dem Ideal treu, sich nicht durch persönliche Vorteile vom Ideal einer egalitären Gesellschaft abbringen zu lassen.

    Che Guevara (Archivbild vom Januar 1965)
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    1965 gab Guevara, der zusammen mit Fidel Castro 1959 den kubanischen Diktator Fulgencio Batista gestürzt hatte, seine Position als kubanischer Industrieminister auf, um erneut den bewaffneten Kampf im Kongo und später in Bolivien aufzunehmen. Dass die bolivianischen Militärs den Leichnam des toten Revolutionärs ausgerechnet wie einen Jesus aufgebahrt fotografierten, um der Welt den Fang des schon damals berühmten Revolutionärs zu beweisen, trug zur Aura des heiligen Kämpfers nur noch weiter bei. «Ziele gut, du erschießt einen Mann», sollen seine letzten Worte, gerichtet an den betrunkenen Schützen, gewesen sein.

    Guevara war als Kind einer wohlhabenden Familie zunächst alles andere als politisch. Doch dann zog er zwei Mal, 1952 und ab 1953, per Motorrad und als Anhalter durch Lateinamerika. Die soziale Not der armen Bauern auf dem Land, die er dabei antraf, erschütterte den Sohn aus gutem Hause zutiefst. «Dieses Herumziehen in unserem Amerika hat mich mehr verändert, als ich gedacht hätte», notierte er anschließend.

    Bilderschau:
    Bald identifizierte er den US-Imperialismus und den Kapitalismus als Ursache allen Übels und stieß 1955 in Mexiko zur Rebellengruppe um Fidel Castro. Dort bekam er auch seinen Spitznamen Che, ein Wort, das Argentinier in jedem dritten Satz als eine Art Anrede wie «Hey» benutzen. Die Härte und Gnadenlosigkeit, die er später im Guerillakrieg etwa bei Hinrichtungen von Verrätern oder Deserteuren an den Tag legte, passen indessen wenig zum heutigen Bild des netten Freiheitskämpfers.

    Zu dem trug viel eher das berühmte Foto bei, das der Fotograf Alberto Korda 1960 aufnahm. Der bärtige Che scheint dabei leicht gedankenverloren in eine ferne Zukunft zu blicken. In den 60er und 70er Jahren zierte es die Wände von Studentenzimmern, inzwischen ist es millionenfach auf Hemden, Schlüsselanhängern, Feuerzeugen und sogar auf Bettwäsche oder Fußabtretern verbreitet worden. Zum Teil völlig losgelöst vom historischen Kontext Guevaras steht das Konterfei inzwischen für eine vage Vorstellung von Rebellion und dem Streben nach einer besseren Welt. Und oft ist es auch nur noch ein Werbelogo.

    In Kuba hingegen lautet das Motto der kommunistischen Pioniere noch heute «¡Seremos como el Che!» (etwa: Lasst uns wie Che sein!). Die ersten Worte der Babys seien Mama, Papa, Wasser und dann Che, sagte eine Kubanerin. Auf der Zuckerinsel beginnen die Ehrungen für den «Revolutions-Helden» am 30. September und ziehen sich bis zum 14. Juni nächsten Jahres hin. Dann wäre Guevara 80 Jahre alt geworden. (Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa)

     
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