25. Sep 2007 20:34
Er kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg, überlebte 30 Monate in Auschwitz und war später Intendant von DDR-Sendern. In Berlin ist der Ehrenpräsident des Auschwitz-Komitees mit 92 Jahren gestorben.
Kommunist, Deutscher, Jude - in dieser Reihenfolge stellte sich Kurt Goldstein in den Schulklassen vor, die ihn immer wieder gern einluden: Den Ehrenpräsidenten des Internationalen Auschwitz-Komitees, der zwei Konzentrationslager der Nazis überlebte. Die Schüler wollten den Geschichten des Zeitzeugen lauschen, Unvorstellbares näher heranholen. Und Kurt Goldstein fuhr gern in die Grundschulen und Gymnasien, 92-jährig, hellwach und mit einem unbezwingbaren Engagement zu erzählen, mitzumischen, sich einzumischen, bis zuletzt. Am Montag ist er in Berlin im Kreise seiner Familie gestorben.Der Journalist wurde 1914 in einer deutsch-jüdischen Familie in Dortmund geboren. Als Kommunist und Jude musste er Deutschland 1933 bei der Machtergreifung der Nazis verlassen. Er floh erst nach Luxemburg. «Dort hatte ich einen Onkel, der mich gern als Erben für seine Unternehmungen eingesetzt hätte. Ich lehnte ab. Ich war Kommunist und kein Unternehmer», erzählte er einmal seinem Enkel Daniel.
Nächste Stationen waren Frankreich und Spanien. Im Spanischen Bürgerkrieg war Goldstein einer unter den schätzungsweise 5000 Kämpfern der Internationalen Brigaden gegen die Franco-Diktatur. 1942 wurde er von Frankreich aus ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Er überlebte dort 30 Monate, anschließend den «Todesmarsch» ins KZ Buchenwald. Dort wurde er im April 1945 befreit.
Nach dem Krieg kehrte Goldstein 1946 in den Westen Deutschlands zurück. «Dorthin, wo wieder viele von denen an den Schalthebeln saßen, die das Zyankali für Auschwitz produziert hatten. Wie hätte ich da bleiben sollen», erklärte Goldstein seine Übersiedlung 1951 in die DDR. Und wurde dort später Intendant der Sender «Stimme der DDR» und «Deutschlandsender». Seit 1976 engagierte sich Kurt Goldstein im Auschwitz-Komitee.
«Politik stand für ihn immer im Vordergrund», sagt Daniel über den Großvater. «Er war die Person, vor der ich den größten Respekt hatte.» Noch 1996 wurde Kurt Goldstein Ehrenbürger Spaniens, geehrt für seine Verdienste im Bürgerkrieg gegen die Franco-Diktatur. In diesem Jahr reiste Kurt Goldstein zum letzten Mal in das Land, in dem er mit Anfang Zwanzig kämpfte. Ein Schwächeanfall dort war wie eine Vorahnung, davon erholte sich der 92-Jährige nicht mehr. Kurt Goldstein, der auch das Bundesverdienstkreuz erhielt, hinterlässt seine Ehefrau, vier Söhne und mehrere Enkelkinder. (dpa)