Chronologie: Der «Deutsche Herbst» 1977
12.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
30. Juli 1977: Weil er sich seiner Entführung widersetzt, wird Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto in seinem Haus in Oberursel ermordet. Klar und Mohnhaupt sollen die tödlichen Schüsse abgegeben haben. Sie hatten sich mit Hilfe der Ponto-Bekannten und späteren RAF-Genossin Susanne Albrecht Zugang zum Haus des Bankiers verschafft.
13. Oktober 1977: Palästinensische Terroristen kapern die Lufthansa- Maschine «Landshut», um die Forderungen der Schleyer-Entführer zu unterstützen. Mit den 91 Passagieren und Besatzungsmitgliedern geraten erstmals Menschen in den Sog der Terrorgewalt, die nicht zur «Zielgruppe» der Repräsentanten von Politik und Wirtschaft gehören. Der Druck auf den Krisenstab unter Leitung von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) ist gewaltig. Trotz hitziger Debatten bleibt Schmidt hart: Er lehnt eine Freilassung der RAF-Häftlinge kategorisch ab.
16. Oktober 1977: Nach einer Odyssee über Rom, Zypern, Bahrain und Dubai landet die «Landshut» in Aden (Südjemen), wo die Entführer den Flugkapitän Jürgen Schumann erschießen. Zwei Tage später stürmt ein Kommando der Polizei-Elitetruppe GSG 9 die Maschine auf dem Flughafen von Mogadischu in Somalia. Dabei kommen drei der vier Terroristen ums Leben. Kurz darauf begehen Baader, Ensslin und Raspe in der Stuttgarter Haft Selbstmord.
19. Oktober 1977: Im elsässischen Mühlhausen wird Schleyers Leiche mit mehreren Kopfschüssen im Kofferraum eines Autos gefunden.
Was seitdem geschah: Nach der Festnahme von Klar und Mohnhaupt 1982 setzt die «dritte Generation» der RAF die Gewalt mit weiteren Anschlägen fort. Zu ihren prominentesten Opfern zählen der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (1986), Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und der Treuhand-Vorsitzende Detlev Karsten Rohwedder (1991).
Erst im April 1998 löst sich die RAF auf. Ihre Terroraktionen kosteten mindestens 36 Menschen das Leben. (dpa)

