«Festung des Atomzeitalters» wird Museum
22. Nov 2006 14:49
 |  Regierungsbunker Marienthal | Foto: dpa |
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Im ehemaligen Regierungsbunker der Bundesrepublik bei Bad Neuenahr-Ahrweiler entsteht ein Museum des Kalten Krieges. Hier sollen bald Gegenstände aus der ehemaligen Tunnelstadt zu sehen sein.
Von Bettina GrachtrupFür Paul Groß ist der Mittwoch ein «glücklicher Tag»: In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte er als technischer Mitarbeiter, wie der Regierungsbunker der Bundesrepublik bei Bad Neuenahr-Ahrweiler entstand. Das Stollensystem sollte der Bundesregierung und dem Bundespräsidenten im Kalten Krieg als Ausweichmöglichkeit bei einem Atomschlag dienen. Später half Groß beim Abriss des überflüssig gewordenen Bauwerks.
Nun gehört der 65-Jährige zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die Besucher durch ein 200 Meter langes Teilstück des einstigen Tunnellabyrinths führen sollen. Denn dort entsteht ein Museum des Kalten Krieges. Am Mittwoch setzten Vertreter des Vereins Alt-Ahrweiler, des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung sowie des Landkreises Ahrweiler den ersten Spatenstich.
Der Bunker bleibt
«Ich habe immer gesagt: Alle Betriebe machen hier zu, aber den Bunker gibt es immer noch», sagt Groß. Lange hatte es jedoch so ausgesehen, als ob von dem Bunker in Rheinland-Pfalz tatsächlich nichts übrig bleiben sollte. Nach dem Ende des Kalten Krieges versuchte der Bund vergeblich, das 19 Kilometer lange Tunnelsystem zu verkaufen. Freizeitpark, Pilzzucht oder Volksarchiv – Ideen gab es viele, doch alle Interessenten schreckten vor hohen und teuren Auflagen sowie einem komplizierten Brandschutz zurück. Ein Bieter wollte in der Tiefe gar eine Disco betreiben, erinnert sich Landrat Jürgen Pföhler (CDU).Daraufhin begann im Jahr 2001 die Entkernung des Bauwerks, die im vergangenen Frühjahr abgeschlossen wurde. Von den geplanten rund 32 Millionen Euro wurden nur 16 Millionen verbraucht. Der Bund finanziert daher das mit 2,5 Millionen Euro veranschlagte Museum des Kalten Krieges, das aus einem Neubau und aus dem 200 Meter langen Restteil des Tunnelsystems besteht. Der Bund zieht sich nach der Fertigstellung des Museums vollständig zurück. Träger und Betreiber der Einrichtung rund 25 Kilometer südlich von Bonn soll der Heimatverein Alt-Ahrweiler sein.
Produktionsstätte für die Rüstungsindustrie
Zu sehen bekommen die Besucher von Ende 2007 an vor allem frühere Ausstattungs- und Ausrüstungsgegenstände wie die 25 Tonnen schweren Stahltüren, die die Bunkerstadt notfalls innerhalb weniger Sekunden hätten verschließen können. Hinzu kommen alte Möbel, Dusch- und Waschanlagen sowie Gegenstände aus dem Krankenhaus der Bunkerstadt. Eine Ausstellung soll die Geschichte der Stollen darstellen. Sie dienten den Nationalsozialisten als unterirdische Produktionsstätte für die Rüstungsindustrie. Erbaut worden waren die Gänge schon vor dem Ersten Weltkrieg als Teil einer militärstrategischen Eisenbahnlinie gen Frankreich, die jedoch nie vollendet wurde.Der Bunker sei ein Zeugnis des Kalten Krieges, sagt der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach. «Wir erhalten Festungen aus allen Jahrtausenden. Auch diese Festung des Atomzeitalters kann man nicht einfach abreißen und spurlos verschwinden lassen.» (dpa)