«Festung des Atomzeitalters» wird Museum
22.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Für Paul Groß ist der Mittwoch ein «glücklicher Tag»: In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte er als technischer Mitarbeiter, wie der Regierungsbunker der Bundesrepublik bei Bad Neuenahr-Ahrweiler entstand. Das Stollensystem sollte der Bundesregierung und dem Bundespräsidenten im Kalten Krieg als Ausweichmöglichkeit bei einem Atomschlag dienen. Später half Groß beim Abriss des überflüssig gewordenen Bauwerks.
Nun gehört der 65-Jährige zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die Besucher durch ein 200 Meter langes Teilstück des einstigen Tunnellabyrinths führen sollen. Denn dort entsteht ein Museum des Kalten Krieges. Am Mittwoch setzten Vertreter des Vereins Alt-Ahrweiler, des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung sowie des Landkreises Ahrweiler den ersten Spatenstich.
Daraufhin begann im Jahr 2001 die Entkernung des Bauwerks, die im vergangenen Frühjahr abgeschlossen wurde. Von den geplanten rund 32 Millionen Euro wurden nur 16 Millionen verbraucht. Der Bund finanziert daher das mit 2,5 Millionen Euro veranschlagte Museum des Kalten Krieges, das aus einem Neubau und aus dem 200 Meter langen Restteil des Tunnelsystems besteht. Der Bund zieht sich nach der Fertigstellung des Museums vollständig zurück. Träger und Betreiber der Einrichtung rund 25 Kilometer südlich von Bonn soll der Heimatverein Alt-Ahrweiler sein.
Der Bunker sei ein Zeugnis des Kalten Krieges, sagt der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach. «Wir erhalten Festungen aus allen Jahrtausenden. Auch diese Festung des Atomzeitalters kann man nicht einfach abreißen und spurlos verschwinden lassen.» (dpa)

