16. Aug 2006 09:45
Die Mitgliedschaft des Schriftstellers Günter Grass in der Waffen-SS war US-Militärbehörden schon während dessen Kriegsgefangenschaft bekannt. Das belegen zwei Dokumente.
Unter den Papieren finde sich ein Formular der Entlassungsstelle der III. US Army, in deren Kriegsgefangenschaft Grass am 8. Mai 1945 im heute tschechischen Marienbad geraten war, schreibt das Magazin. «Grass hat das Papier unterschrieben. Er wird darin als Schütze der 10. SS-Panzer-Division «Frundsberg» geführt. Dem Papier zufolge wurde Grass - Gefangenennummer 31G6078785 - am 24. April 1946 mit einem Arbeitslohn von 107 Dollar und 20 Cent entlassen». «Es gibt die Unterschrift, es gibt aber kein protokolliertes Geständnis», erläuterte der «Spiegel»-Autor Klaus Wiegrefe.
Auf einem zweiten Dokument zu Grass - ebenfalls einem Formblatt der Amerikaner - sei das Datum 10. November 1944 vermerkt, mit dem Zusatz «Waffen-SS», berichtet das Magazin. Die Dokumente lägen in der Wehrmachtauskunftsstelle in Berlin.
Zu Grass' Rolle in der Waffen-SS sind laut «Spiegel» vermutlich keine Dokumente mehr vorhanden. Die Waffen-SS habe einen Großteil ihrer Akten zu den Personalbeständen bei Kriegsende vernichtet, hieß es zur Begründung.
Nach Informationen des «Kölner Stadt-Anzeigers» gibt es auch im «NS-Archiv» des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR Quellen, in denen die Mitgliedschaft des Autors in der Waffen-SS dokumentiert sein soll. Bis spätestens Ende März 2007 sollen demnach alle Unterlagen des Archivs komplett erschlossen sein, das ursprünglich aus mehr als 800.000 Einzelakten bestand.
Grass war in die Kritik geraten, nachdem er am vergangenen Freitag in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» öffentlich eingeräumt hatte, mit 17 Jahren Mitglied in der berüchtigten Elitetruppe gewesen zu sein. In der ARD verteidigte der Schriftsteller sein jahrzehntelanges Schweigen zu dem Thema. Er sei aus Scham vorher nicht in der Lage gewesen, darüber zu sprechen, sagte er. Trotz aller Kritik an seinem späten Bekenntnis müsse er nun dazu stehen, «und ich werde mir sicher noch lange diese Vorwürfe anhören können», sagte der Literatur- Nobelpreisträger. (nz)