23.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Jörg Schönbohm
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Brandenburgs Innenminister Schönbohm hat bei einer Gedenkfeier im KZ Sachsenhausen heftige Kritik von ehemaligen KZ-Häftlingen erhalten. Er erinnerte in seiner Rede ausdrücklich auch an die Opfer der Sowjets.
Ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Oranienburg haben Äußerungen des brandenburgischen Innenministers Jörg Schönbohm (CDU) als Unverschämtheit und Brüskierung bezeichnet. Schönbohm hatte bei der Gedenkveranstaltung zum 61. Jahrestag der Befreiung des KZs die KZ-Opfer in einem Atemzug mit den Opfern des späteren sowjetischen Speziallagers am diesem Ort genannt.
Vor etwa 50 Überlebenden sagte der CDU-Politiker am Sonntag, er gedenke ausdrücklich auch der Insassen des sowjetischen Straflagers nach 1945. An diese Opfer müsse umso nachdrücklicher erinnert werden, da ihrer über 40 Jahre lang an diesem Ort überhaupt nicht gedacht worden sei. Bis 1950 hatte die Rote Armee auf einem Teil des früheren KZ-Geländes rund 60.000 ehemalige NS-Funktionsträger und Gegner des Stalinismus inhaftiert. Etwa 12.000 davon starben.
Der Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Hans Rentmeister, nannte diesen Teil der Rede deplatziert. Viele Gefangene seien «Folterer und Mörder aus dem KZ» gewesen, kritisierte er. «Die ideologisch geprägte Gleichsetzung setzt die Mörder auf eine Stufe mit unseren Kameraden». Diese zu ehren, sei «zu viel verlangt». Auch die Linkspartei verlangte eine öffentliche Entschuldigung Schönbohms.
Das KZ Sachsenhausen war am 22. April 1945 von russischen und polnischen Einheiten der Roten Armee befreit worden. Mehr als 200.000 Menschen waren zwischen 1936 und 1945 dort eingesperrt. Überlebende des KZs aus 18 Ländern beauftragten mit Blick auf die aussterbenden Zeitzeugen nachfolgende Generationen symbolisch, die Erinnerungen wach zu halten. Sie unterschrieben ein Vermächtnis und übergaben es an Jüngere. (nz)