Neue Lehrpläne gegen britische Hitler-Späße
Es gibt eine Schreckensvision für die deutsch-britischen Beziehungen im Jahr 2006. Der Schauplatz ist Nürnberg, das Datum der 15. Juni. Der harmlose Anlass ist das Spiel der Fußballweltmeisterschaft zwischen England und Trinidad/Tobago. Ein paar Bier, ein paar Schnäpse. Ein paar Hitlerwitze, wie Briten sie immer noch so lieben.
Dann dürften nach Ansicht der «Times» englische Fans soweit sein, dass sie unter den Augen deutscher Polizisten «im Stechschritt marschieren, den rechten Arm zum Gruß ausgestreckt und den linken Zeigefinger über der Oberlippe».
Der scheidende deutsche Botschafter Thomas Matussek, der die Bundesrepublik künftig bei den Vereinten Nationen vertreten soll, kann sich darüber freuen. Er hatte keine Gelegenheit ausgelassen, um vor einem verzerrten Deutschlandbild zu warnen und auf die Hitler-Besessenheit vieler Briten hinzuweisen. Schon seine Vorgänger kämpften gegen den weit verbreiteten Verdacht an, dass viele Deutsche im Herzen Nazis geblieben seien.
«Die Meinungsverschiedenheit über die Humortauglichkeit Hitlers ist vielleicht der größte Kulturkonflikt zwischen Briten und Deutschen», schrieb der angesehene Kolumnist Simon Barnes. «Und ich sehe wirklich nicht, wie das beim Fußball-Festival im Sommer umgangen werden kann.» Der Autor hatte vor einigen Jahren den Rennfahrer Michael Schumacher mit einem Gestapo-Offizier verglichen. «Solche Witze», schrieb er jetzt, «sind sogar noch lustiger, wenn Deutsche sie missvergnügt miterleben.» (dpa)

