27.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Colonia Dignidad heute
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eine deutsche Ärtzin hat gestanden, in der «Colonia Dignidad» in Chile Kinder mit Elektroschocks gequält zu haben. Sie wurde nun verhaftet.
Eine 75 Jahre alte deutsche Ärztin ist in Chile verhaftet worden. Ihr wird vorgeworfen, Kinder und Jugendliche in der berüchtigten deutschen Siedlung «Colonia Dignidad» gefoltert zu haben. Wie Medien am Dienstag unter Berufung auf Justizkreise berichteten, stellte Untersuchungsrichter Jorge Zepeda am Montag in Santiago de Chile einen Haftbefehl gegen die Frau aus.
Die Ärztin habe gestanden, in der sektenartig organisierten Siedlung in Südchile zwischen 1975 und 1978 als Klinikleiterin zahlreiche Minderjährige mit Elektroschocks und Beruhigungsmitteln misshandelt zu haben. Wie die Zeitung «La Tercera» berichtete, sagte die Ärztin, die Minderjährigen seien unter anderem gefoltert worden, wenn sie sich den sexuellen Misshandlungen durch Siedlungsleiter Paul Schäfer widersetzen oder andere Anordnungen nicht befolgen wollten.
Nach Angaben des Blattes hatte der Richter Dutzende Opfer der deutschen Ärztin interviewt, die heute alle zwischen 30 und 40 Jahre alt seien. Die Richter habe nun fünf Tage Zeit, um Anklage gegen die Deutsche zu erheben. Er wolle außerdem ihren Nachfolger sowie mehrere Ex-Krankenschwester der «Colonia Dignidad» unter Anklage stellen.
Die «Colonia Dignidad» war 1961 von deutschen Einwanderern unter Führung von Schäfer nahe der südchilenischen Stadt Parral gegründet worden. Der 85-jährige war in Chile im November 2004 in Abwesenheit bereits wegen sexuellen Missbrauchs von 27 Kindern verurteilt worden. Ihm werden nun unter anderem das Verschwinden eines Dissidenten in der Siedlung zu Beginn der Militärherrschaft Pinochets sowie mehrere Vergewaltigungen zur Last gelegt. (nz)