27. Dez 2005 21:45
Eine deutsche Ärtzin hat gestanden, in der «Colonia Dignidad» in Chile Kinder mit Elektroschocks gequält zu haben. Sie wurde nun verhaftet.
Die Ärztin habe gestanden, in der sektenartig organisierten Siedlung in Südchile zwischen 1975 und 1978 als Klinikleiterin zahlreiche Minderjährige mit Elektroschocks und Beruhigungsmitteln misshandelt zu haben. Wie die Zeitung «La Tercera» berichtete, sagte die Ärztin, die Minderjährigen seien unter anderem gefoltert worden, wenn sie sich den sexuellen Misshandlungen durch Siedlungsleiter Paul Schäfer widersetzen oder andere Anordnungen nicht befolgen wollten. Nach Angaben des Blattes hatte der Richter Dutzende Opfer der deutschen Ärztin interviewt, die heute alle zwischen 30 und 40 Jahre alt seien. Die Richter habe nun fünf Tage Zeit, um Anklage gegen die Deutsche zu erheben. Er wolle außerdem ihren Nachfolger sowie mehrere Ex-Krankenschwester der «Colonia Dignidad» unter Anklage stellen.
Die «Colonia Dignidad» war 1961 von deutschen Einwanderern unter Führung von Schäfer nahe der südchilenischen Stadt Parral gegründet worden. Der 85-jährige war in Chile im November 2004 in Abwesenheit bereits wegen sexuellen Missbrauchs von 27 Kindern verurteilt worden. Ihm werden nun unter anderem das Verschwinden eines Dissidenten in der Siedlung zu Beginn der Militärherrschaft Pinochets sowie mehrere Vergewaltigungen zur Last gelegt. (nz)