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Die USA und die Wunden des Vietnamkriegs

30. Apr 2005 09:37
Flucht aus Saigon am 29. April 1975
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1975 war der Vietnamkrieg zu Ende, doch bis heute wirkt das schreckliche Geschehen in den USA nach. So ist etwa jeder vierte Obdachlose ein Kriegsveteran.

Von Hans Dahne, Washington

Keine zehn Jahre ist die Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Vietnam her, und dennoch bleibt der Begriff «Vietnam» in den Vereinigten Staaten ein geflügeltes Wort. Sei es der Krieg im Irak, die Obdachlosenstatistik oder aber der Präsidentschaftswahlkampf: Der seit mehr als drei Jahrzehnten zurückliegende Vietnamkrieg beeinflusst bis heute Innen- und Außenpolitik der USA.

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Erst vor einem Monat scheiterte die «Vietnamesische Gesellschaft für die Opfer von Agent Orange/Dioxin» mit einer Klage gegen US-Chemiefirmen vor einem Gericht in New York. Die US-Unternehmen seien nicht dafür haftbar zu machen, wie die Regierung das Herbizid zur Entlaubung von Bäumen eingesetzt habe, befand ein Richter.

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) leiden 100.000 Vietnamesen an Spätfolgen wie Krebs, Missbildungen und Erbgutschäden. Auch US-Veteranenverbände setzen sich für Tausende von Soldaten mit Spätschäden ein.

Das Heer der Obdachlosen und Gefallenen

Die zweite Problemgruppe sind jene 300.000 Kriegsveteranen, die obdachlos sind. Nach Angaben der «Nationalen Koalition für obdachlose Veteranen» hat jeder vierte Obdachlose in den USA «dem Land gedient».

Das Gedenken an die Gefallenen im Vietnam-Krieg ist bis heute lebendig. Täglich schreiten Scharen von Angehörigen und Touristen an jener Denkmal-Mauer in Washington vorbei, in der die Namen von 58.245 gefallenen oder vermissten US-Soldaten eingraviert sind. Auf dem Boden liegen Briefe der Hinterbliebenen und Blumen. Das Denkmal erinnert nicht nur an die Gefallenen, sondern auch an den Preis, den die Vereinigten Staaten für diesen Krieg bezahlt haben.

Das Vietnam-Syndrom als Metapher

Als im März 2003 US-Truppen in den Irak einmarschierten, um Präsident Saddam Hussein zu stürzen, machte wieder der Vergleich mit dem Vietnamkrieg die Runde. In Vietnam wurden mehr als 58.000 Soldaten getötet; im Irak sind es mehr als 1500. Rund 534.000 US-Soldaten waren 1969 in Vietnam im Einsatz. Im Irak waren es zu den Parlamentswahlen im Januar rund 150.000.

In Vietnam habe sich über 25 Jahre eine Art Aufstand entwickelt, sagt John Pike vom Internetdienst GlobalSecurity.org. Im Irak seien es nur Monate gewesen. «Wir haben das Vietnam-Syndrom sichtbar überwunden, aber wir beschwören es noch immer als Metapher», sagt Pike.

«Vietnam bleibt unausweichlich der Bezugspunkt, an dem all diese Dinge gemessen werden.»

Der Schatten der Vergangenheit

Wie wenig die Narben des Vietnamkriegs verheilt sind, verdeutlichen zwei Ereignisse. Im August vergangenen Jahres rückten die Vorgänge aus dem Jahr 1968/69 in den Mittelpunkt des US-Präsidentschaftswahlkampfes. Während sich US-Präsident George W. Bush als Pilot der Nationalgarde vom Krieg fernhalten konnte, behaupteten Vietnam-Veteranen, sein demokratischer Herausforderer John Kerry habe seine Taten als Kriegsheld in Vietnam falsch dargestellt.

Und kürzlich spuckte ein Mann der US-Schauspielerin Jane Fonda in Kansas City (Missouri) Tabakreste ins Gesicht, als sie aus ihren Memoiren «My Life so far» las. Die 67-Jährige firmiert bei vielen Amerikanern bis heute abfällig als «Hanoi-Jane», weil sie 1972 aus Protest gegen den Vietnam-Krieg die nordvietnamesische Hauptstadt besucht und sich auf einem Flugabwehrgeschütz des Vietcong sitzend hatte fotografieren lassen. (dpa)

 
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