Die USA und die Wunden des Vietnamkriegs
30.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Keine zehn Jahre ist die Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Vietnam her, und dennoch bleibt der Begriff «Vietnam» in den Vereinigten Staaten ein geflügeltes Wort. Sei es der Krieg im Irak, die Obdachlosenstatistik oder aber der Präsidentschaftswahlkampf: Der seit mehr als drei Jahrzehnten zurückliegende Vietnamkrieg beeinflusst bis heute Innen- und Außenpolitik der USA.
Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) leiden 100.000 Vietnamesen an Spätfolgen wie Krebs, Missbildungen und Erbgutschäden. Auch US-Veteranenverbände setzen sich für Tausende von Soldaten mit Spätschäden ein.
Das Gedenken an die Gefallenen im Vietnam-Krieg ist bis heute lebendig. Täglich schreiten Scharen von Angehörigen und Touristen an jener Denkmal-Mauer in Washington vorbei, in der die Namen von 58.245 gefallenen oder vermissten US-Soldaten eingraviert sind. Auf dem Boden liegen Briefe der Hinterbliebenen und Blumen. Das Denkmal erinnert nicht nur an die Gefallenen, sondern auch an den Preis, den die Vereinigten Staaten für diesen Krieg bezahlt haben.
In Vietnam habe sich über 25 Jahre eine Art Aufstand entwickelt, sagt John Pike vom Internetdienst GlobalSecurity.org. Im Irak seien es nur Monate gewesen. «Wir haben das Vietnam-Syndrom sichtbar überwunden, aber wir beschwören es noch immer als Metapher», sagt Pike.
«Vietnam bleibt unausweichlich der Bezugspunkt, an dem all diese Dinge gemessen werden.»
Und kürzlich spuckte ein Mann der US-Schauspielerin Jane Fonda in Kansas City (Missouri) Tabakreste ins Gesicht, als sie aus ihren Memoiren «My Life so far» las. Die 67-Jährige firmiert bei vielen Amerikanern bis heute abfällig als «Hanoi-Jane», weil sie 1972 aus Protest gegen den Vietnam-Krieg die nordvietnamesische Hauptstadt besucht und sich auf einem Flugabwehrgeschütz des Vietcong sitzend hatte fotografieren lassen. (dpa)

