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Sechzig Jahre Rausch

16. Apr 2003 08:34
Albert Hofmann
An einem Freitag vor sechzig Jahren fühlte sich der Schweizer Chemiker Albert Hofmann etwas unwohl. Er hatte gerade LSD entdeckt, die Modedroge der Hippie-Bewegung.

Am Nachmittag des 16. April 1943 muss sich Albert Hofmann hinlegen. Er sei von einem «leichten Schwindelgefühl» befallen worden und in einen «nicht unangenehmen Rauschzustand» versunken, berichtet er später einem befreundeten Wissenschaftler. Zu diesem Zeitpunkt weiß der Chemiker längst, was ihm an jenem Freitag im April zugestoßen ist. Er war bei Laborversuchen unabsichtlich mit Spuren einer neuartigen Substanz in Kontakt gekommen. Ihr Name: Lysergsäurediethylamid – LSD.

Dämon im Körper

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Dass Hofmann ein hochwirksames Halluzinogen entdeckt hat, wird drei Tage später endgültig zur Gewissheit. In einem Selbstversuch nimmt er 0,25 Milligramm der neuen Substanz zu sich – ein Vielfaches der wirksamen Dosis, was der Schweizer zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen kann. Der Versuch endet als Horrortrip: Hofmanns Wahrnehmung verzerrt sich, die vertrauten Dinge seiner Umgebung erscheinen ihm plötzlich bedrohlich, eine Nachbarin, die ihm Milch zur Entgiftung reicht, mutiert zur «Hexe mit farbiger Fratze». «Ein Dämon war in meinen Körper eingedrungen. Die Substanz, mit der ich hatte experimentieren wollen, hatte mich besiegt» so Hofmann in seinen Erinnerungen «LSD – Mein Sorgenkind».

Für die CIA interessant

Farbvisionen gehören zu den am häufigsten beschriebenen Wirkungen von LSD.
Schon fünf Jahre vor diesem Experiment war Hofmann erstmals auf die Droge gestoßen. Sein Arbeitgeber, das Schweizer Chemieunternehmen «Sandoz», hatte den Chemiker mit der Erforschung der Mutterkorn-Alkaloide beauftragt. Das Mutterkorn (Claviceps purpurea ), ein Schlauchpilz, war seit dem Mittelalter als blutstillende Arznei, aber auch als für den Menschen tödlicher Schmarotzer auf Roggen bekannt. Auf der Basis dieser Alkaloide synthetisierte Hofmann 1938 erstmals LSD. Da die Substanz im Tierversuch keine besondere Wirkung zeigte, wurde sie zunächst nicht weiter erforscht.

Nach Hofmanns Selbstversuch änderte sich das. Plötzlich war aus einer fast vergessenen Substanz ein hochwirksames Halluzinogen geworden – mit dem sich Geld verdienen ließ. 1949 brachte «Sandoz» LSD unter dem Namen «Delysid» auf den Markt. Die blauen Tabletten sollten in der Psychotherapie Anwendung finden. Zeitgleich interessierte sich auch die CIA für die neue Droge. Gemeinsam mit der US-Army plante man dort, LSD als Wahrheitsserum einzusetzen. In dieser Hinsicht erwies sich die Substanz jedoch als weitgehend unwirksam.

Modedroge LSD

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Bis in die frühen sechziger Jahre war LSD eine Angelegenheit für Wissenschaftler und einige wenige Neugierige. Zur Massendroge wurde es, nachdem der Harvard-Dozent Timothy Leary auf die Substanz aufmerksam geworden war. Leary propagierte den LSD-Konsum zur Erweiterung des Bewusstseins – und fand in der aufkommenden Hippie-Bewegung ein geneigtes Publikum. Während Leary zum LSD-Guru mutierte, entwickelte sich die Droge zum beinah selbstverständlichen Bestandteil der Bewegung – was etwa in der Rezeption des legendären Beatles-Songs «Lucy in the Sky with Diamonds» als vermeintliche LSD-Hymne sichtbaren Ausdruck fand.

Doch mit der Popularität der Droge wuchs auch der Chor der mahnenden Stimmen. Auch wenn die Kritik an LSD vielfach als Werkzeug zur Desavouierung einer ungeliebten Jugendkultur diente, die negativen Folgen des LSD-Konsums ließen sich auch objektiv nachweisen. Zwar macht die Droge nicht körperlich abhängig, die psychischen Folgen können jedoch verheerend sein. Je nach Dosierung der Substanz und emotionaler Verfassung des Konsumenten droht der Horrortrip, der im Extremfall zum Suizid führen kann.

International geächtet

Den Diskussionen um sein umstrittenes Präparat machte «Sandoz» schließlich ein Ende, indem es «Delysid» 1966 vom Markt nahm. Kurz darauf wurde LSD international als gefährliches Suchtmittel geächtet. Bis zum Abflauen der Hippie-Bewegung Anfang der siebziger Jahre blieb die Substanz als illegale Droge im Umlauf, danach ging der LSD-Konsum drastisch zurück.

Heute erlebt LSD eine gewisse Renaissance in der Psychotherapie. Bei ihrem Entdecker Albert Hofmann hat die Droge übrigens keine bleibenden Schäden hinterlassen. Vielfach gewürdigt und mit mehreren Ehrendoktor-Titeln ausgezeichnet, lebt der hochbetagte «Rausch-Pionier» heute bei Basel.

 
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