16. Apr 2003 08:34
An einem Freitag vor sechzig Jahren fühlte sich der Schweizer Chemiker Albert Hofmann etwas unwohl. Er hatte gerade LSD entdeckt, die Modedroge der Hippie-Bewegung.
Schon fünf Jahre vor diesem Experiment war Hofmann erstmals auf die Droge gestoßen. Sein Arbeitgeber, das Schweizer Chemieunternehmen «Sandoz», hatte den Chemiker mit der Erforschung der Mutterkorn-Alkaloide beauftragt. Das Mutterkorn (Claviceps purpurea ), ein Schlauchpilz, war seit dem Mittelalter als blutstillende Arznei, aber auch als für den Menschen tödlicher Schmarotzer auf Roggen bekannt. Auf der Basis dieser Alkaloide synthetisierte Hofmann 1938 erstmals LSD. Da die Substanz im Tierversuch keine besondere Wirkung zeigte, wurde sie zunächst nicht weiter erforscht.Nach Hofmanns Selbstversuch änderte sich das. Plötzlich war aus einer fast vergessenen Substanz ein hochwirksames Halluzinogen geworden – mit dem sich Geld verdienen ließ. 1949 brachte «Sandoz» LSD unter dem Namen «Delysid» auf den Markt. Die blauen Tabletten sollten in der Psychotherapie Anwendung finden. Zeitgleich interessierte sich auch die CIA für die neue Droge. Gemeinsam mit der US-Army plante man dort, LSD als Wahrheitsserum einzusetzen. In dieser Hinsicht erwies sich die Substanz jedoch als weitgehend unwirksam.
Bis in die frühen sechziger Jahre war LSD eine Angelegenheit für Wissenschaftler und einige wenige Neugierige. Zur Massendroge wurde es, nachdem der Harvard-Dozent Timothy Leary auf die Substanz aufmerksam geworden war. Leary propagierte den LSD-Konsum zur Erweiterung des Bewusstseins – und fand in der aufkommenden Hippie-Bewegung ein geneigtes Publikum. Während Leary zum LSD-Guru mutierte, entwickelte sich die Droge zum beinah selbstverständlichen Bestandteil der Bewegung – was etwa in der Rezeption des legendären Beatles-Songs «Lucy in the Sky with Diamonds» als vermeintliche LSD-Hymne sichtbaren Ausdruck fand.Doch mit der Popularität der Droge wuchs auch der Chor der mahnenden Stimmen. Auch wenn die Kritik an LSD vielfach als Werkzeug zur Desavouierung einer ungeliebten Jugendkultur diente, die negativen Folgen des LSD-Konsums ließen sich auch objektiv nachweisen. Zwar macht die Droge nicht körperlich abhängig, die psychischen Folgen können jedoch verheerend sein. Je nach Dosierung der Substanz und emotionaler Verfassung des Konsumenten droht der Horrortrip, der im Extremfall zum Suizid führen kann.