01. Nov 2002 11:49
Vor 50 Jahren, am 1. November 1952, demonstrierten die USA der Welt ihre militärische Macht. Über das Ergebnis waren sie selbst erschrocken.
Die USA hatten die erste Wasserstoffbombe getestet. Sie besaß so viel Sprengkraft, wie alle im zweiten Weltkrieg von den Alliierten abgeworfenen Bomben zusammen: 10,4 Millionen Tonnen TNT.Der Bomben-Test war ein Ergebnis des Kalten Krieges, und mit ihm begann seine erste Hochphase. Im Herbst 1949 hatten die Russen ihre erste Atombombe gezündet, und anschließend entdeckten die USA, dass viel von dem dazu nötigen Wissen aus ihren eigenen Labors stammte. Sie enttarnten Klaus Fuchs, der in Los Alamos für die Russen spioniert hatte.
Präsident Harry S. Truman forderte daraufhin neue und mächtigere Waffen und erklärte am 31. Januar 1950, dass die USA eine Wasserstoffbombe bauen würden.Bis dahin existierte diese nur als theoretisches Konzept, entworfen von den Forschern Stanislaw Ulam und Edward Teller. Die Idee entstand aus der logischen Erweiterung der Atombomben, die über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen worden waren. Nicht schwere Atomkerne sollten gespalten, sondern leichte Wasserstoffkerne zu Helium verschmolzen werden: das Prinzip der Kernfusion.
Im Gegensatz zu Atombomben wird dazu nicht aufwändig angereichertes Uran gebraucht, sondern Deuterium - billig und in beliebigen Mengen verfügbar.Der Mathematiker Ulam erklärte seiner Frau einmal: «Es ist ein völlig neues Schema und es wird den Lauf der Geschichte verändern.» Er hatte Recht.
Unter enormem Aufwand wurde das Programm im Atomforschungszentrum Los Alamos vorangetrieben. Viele Forscher, die an der Entwicklung der ersten Atombombe beteiligt waren, verließen jedoch das Projekt als sie realisierten, was entwickelt werden sollte. «Ein Atomkrieg war genug für mich», sagte zum Beispiel der Physiker Phil Morrison später darüber.
Die letztlich gebaute Bombe wog 82 Tonnen und wurde unter dem Codenamen «Operation Ivy» auf Elugelab installiert. Der Name des Tests lautete Mike, der englische Funkcode für den Buchstaben «M» – und «M» stand für Megatonnen.Als Mike gezündet wurde, waren auch die Militärs und Forscher von der Gewalt der Explosion überrascht. Von den 11.650 Menschen, die daran beteiligt waren, wurden laut späteren Untersuchungen nur 408 nicht radioaktiv verstrahlt.
Elugelab existiert praktisch nicht mehr, die Explosion riss 80 Millionen Tonnen pulverisierte Korallen in die Luft, die als radioaktiver Niederschlag wieder herunterkamen. Übrig blieben ein 1900 Meter durchmessender unterseeischer Krater von 50 Metern Tiefe und einige bis heute radioaktiv verseuchte Inselreste.
Militärisch hat sich die Wasserstoffbombe nicht durchgesetzt, hauptsächlich aufgrund ihres «strategisch ungünstigen» großen Gewichtes. Herkömmliche Atom-Sprengköpfe sind weitaus kleiner und leichter, lassen sich per Flugzeug oder Rakete an potenzielle Zielorte bringen. Auch ihre Zerstörungskraft scheint den Militärstrategen ausgereicht zu haben. (nz)