13.02.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Sigmund Jähn im All
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sigmund Jähn, der erste Deutsche im Weltraum, wird am Mittwoch 65 Jahre alt. Nach seinem Besuch der russischen Station «Saljut 6» machte ihn die Propaganda zu einem sozialistischen Helden.
Sigmund Jähn war nicht nur der erste DDR-Bürger, der erste Deutsche, im Weltraum, er war ein Symbol. Nach dem Flug im August 1978 verbrachte er sein Leben damit, den Sieg und die Überlegenheit des Sozialismus zu repräsentieren.
Sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten flog er durchs All, danach war der Buchdrucker aus Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland berühmt, zumindest in der DDR. Sein Lebenslauf wurde an den Schulen gelehrt, auf unzähligen Veranstaltungen trat er auf, weihte Kindergärten ein, ließ sich von Brigaden und Kollektiven feiern, bekam haufenweise Orden, wurde Ehrenbürger von Berlin und Chemnitz und beantwortete immer wieder dieselben Fragen zu seinem Flug in der russischen Raumstation «Saljut 6».
Sigmund Jähn war ein Held. Er versuchte, ein normaler Mensch zu bleiben, heißt es. Von Leuten, die ihn kennen, wird er als bescheiden, freundlich und nett beschrieben. «Das Erlebnis bleibt für mich natürlich unvergessen und einmalig», sagte er einmal in einem Interview. Doch großes Aufheben macht er darum nicht.
Sigmund Jähn war auch Soldat. Ab 1955 diente er bei den Luftstreitkräften der DDR, war einer der ersten Jet-Piloten, später Ausbilder. Er brachte es nach seinem Raumflug bis zum Generalmajor. Fliegerkosmonaut wurde er daher von der Propaganda auch genannt. Erst 1990 schied Jähn aus der NVA aus.
Nach dem Ende des «real existierenden Sozialismus» geriet dessen erster und einziger Kosmonaut etwas in Vergessenheit.
Sigmund Jähn wird am Mittwoch 65 Jahre alt, er ist jetzt Rentner, theoretisch. Der promovierte Wissenschaftler arbeitet seit 1990 für das Astronautenbüro der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt als Berater bei der russischen Kosmonautenausbildung und ist seit 1993 auch Berater der Europäischen Weltraumagentur Esa. Er lebt in Strausberg bei Berlin und in Moskau und wird wohl weiter arbeiten.
Im Januar 2001 wurde Jähn noch einmal stilvoll geehrt. Die Sternenfreunde der Volkssternwarte Drebach in Sachsen benannten nach ihm einen «Kleinplaneten», den sie entdeckt hatten. Der am 27. Januar 1998 erstmals beobachtete Planetoid «1998 BF 14» trägt seit dem den Namen Sigmund Jähns.