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Ausstellung über einen Mythos: 

Rommel als faschistische Werbe-Ikone

18. Aug 2008 15:23
Die Nazis haben Rommel in die Wüste geschickt - zu Werbungzwecken
Foto: AP
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Der Stratege Hitler hatte im Nationalsozialismus eine spezifische Aufgabe: Seine triumphalen Feldzüge in Nordafrika sollten vom Misserfolg im Osten ablenken. Historiker entkernen jetzt das Imageprodukt der Nazis.

Der Wüstenfuchs: Schwarzer Ledermantel, der Blick konzentriert auf den Horizont gerichtet. Erwin Rommel aufrecht auf einem Panzer, das Fernglas um den Hals und die Ehrenorden an der Brust – das Bild des genialen Generals an der Front in Nordafrika hat sich ins kollektive Gedächtnis ganzer Generationen eingebrannt.

Das ist kein Zufall. Der «Mythos Rommel» wurde vor mehr als 60 Jahren von der Propagandamaschine der Nationalsozialisten geschaffen. Wissenschaftler am Stuttgarter Haus der Geschichte erforschen zurzeit, warum Hitlers Stratege seine Faszination bis heute nicht verloren hat.

Goebbels machte ihn zum Volkshelden

Johannes Erwin Eugen Rommel wird am 15. November 1891 als Sohn eines Mathematiklehrers in Heidenheim geboren. Nach einer steilen Karriere beim Militär und großen Erfolgen im Ersten Weltkrieg schickt Adolf Hitler den schwäbischen Generalleutnant 1941 nach Libyen. Zwei Jahre kämpft er in Nordafrika gegen die Briten. Als diese die deutschen Soldaten zurückdrängen, wird Rommel nach Berlin beordert und an Fronten in Italien und Frankreich eingesetzt. 1944 gerät er in den Verdacht, in das Attentat auf Hitler am 20. Juli verwickelt zu sein. Drei Monate später zwingen ihn Abgesandte des Führers zum Selbstmord.

Rommels Aufstieg zum Helden der Nation begann mit seiner Versetzung nach Afrika und folgte einem sorgfältigen Plan: Im November 1941 notierte Propagandaminister Joseph Goebbels in sein Tagebuch: «Ich rate dringend, nun, wenn die Schlacht in Nordafrika entschieden ist, Rommel zu einer Art von Volkshelden zu erheben. Das Heer hat es unbedingt notwendig.» Rommels Triumphzüge sollten von den Misserfolgen im Osten ablenken und den Menschen zu Hause Zuversicht einflößen. «Je schlechter es an der Russlandfront lief, desto öfter tauchte Rommel in der Wochenschau auf», sagt Cornelia Hecht, Historikerin am Haus der Geschichte.

Mit Staubbrille an vorderster Front

Rommel war für die Propaganda der Nazis wie geschaffen. Porträts des ehrgeizigen, kühnen, eigenwilligen und listigen Feldherrn zierten unzählige Postkarten und Poster. Rommel mit Staubbrille an vorderster Front, über Karten gebeugt, im Gespräch mit Soldaten, in Gedanken vertieft – «das sind Posen, die immer wiederkommen», sagt Hecht, die für ihr Forschungsprojekt tausende Fotos, Fachliteratur, NS-Zeitungen und Beiträge der «Deutschen Wochenschau» gesichtet hat.

Seit gut einem Jahr trägt Hecht mit einem Kollegen Material für eine Sonderausstellung zusammen. Unterstützt werden sie dabei von Rommels Sohn. «Manfred Rommel stand dem Haus der Geschichte schon zu seinen Zeiten als Stuttgarter Oberbürgermeister sehr positiv gegenüber», sagt der Leiter des Museums, Thomas Schnabel. «Die Zusammenarbeit ist extrem konstruktiv.»

Tod als «Höhepunkt der Inszenierung»

Wer Erwin Rommel wirklich war, bleibt trotz der umfassenden Recherchen allerdings nebulös. «Es ist sehr schwer zu sagen, wer der Mensch unter dem Mythos ist», meint Hecht. Obwohl Rommel in seiner fast 30-jährigen Ehe zahlreiche Briefe an seine Frau schrieb, äußerte er sich fast nie zur Judenverfolgung oder anderen politischen Themen. Auch sein Leben als Vater und Ehemann waren für die Imagepflege des Generalfeldmarschalls nicht von Belang.

Kurz vor seinem Tod forderte Rommel Hitler in einem Brief zur Kapitulation auf. Der Krieg konnte nicht mehr gewonnen werden; Rommel wollte ihn beenden. Als dann noch herauskam, dass er die Anschlagspläne des Grafen von Stauffenberg zwar nicht unterstützt, doch zumindest gekannt hatte, stellte Hitler Rommel vor die Wahl: Ein Prozess vor dem Volksgerichtshof und Schande über seine Familie – oder Selbstmord und Staatsbegräbnis. Am 14. Oktober 1944 schluckte Rommel eine Ampulle Zyankali.

Es folgten eine pompöse Beerdigung, Denkmalentwürfe, Nachrufe im Kino und Sonderbeilagen in den NS-Zeitungen. «Sein Tod war der Höhepunkt seiner Inszenierung als Mythos», sagt Hecht. Weil Rommel sich von Hitler abgewendet hatte, konnte dieser Mythos auch nach dem Krieg fortleben. Spielfilme wie «Wüstenfuchs» (1952) oder «Das war unser Rommel» (1953) knüpften daran an. Die Sonderausstellung «Mythos Rommel» im Stuttgarter Haus der Geschichte wird am 18. Dezember eröffnet. (Heike Sonnberger, dpa)

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