80. Geburtstag des Revolutionärs: 

netzeitung.deDie Merchandising-Maschine Che Guevara

 Herausgeber: netzeitung.de

Omnipräsent auf Küchenuhr oder Zungenpiercing: Che (Foto: nz (screenshot)<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Omnipräsent auf Küchenuhr oder Zungenpiercing: Che
Foto: nz (screenshot)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Konsequent war der Revolutionär. Konsequent ist auch die gut geölte Merchandising-Maschine, die aus dem Konterfei des Politikers mit der verkaufsfördernde Kombination aus Macht und Sexappeal ein millionenschweres Kult-Emblem macht. Mal nett, mal abstrus.

Kleidungsmäßig ist es relativ einfach sich komplett in Che-Guevara zu hüllen: Angefangen von einer «Che Bandana», Baseball Caps oder Mützen über T-Shirts, Hemden und Kapuzenpullis zu Camouflage-Hosen samt Emblem. Auf den Klassiker, die grüne Militärmütze samt rotem Stern, gibt es bei dem «The Che Store» 50 Prozent Rabatt. Das schwarze Barett mit Metall-Stern rangiert eine Verkaufsklasse höher. Che selbst hätte sich wohl im Grabe umgedreht angesichts der schlechten Fotomontage des «Che Stores», die ihm ein Barett mit Che-Emblem auf den Kopf drapiert.

Dezenter aber nicht weniger aussagekräftig jedoch die unterschiedlichen revolutionären Accessoires: Rucksäcke (Che-Emblem über rotem Stern), Kuriertasche (Che-Emblem auf rotem Stern) oder Hip-Bag. Sine Kampfparole «Hasta la vitcoria siempre!» ist jeweils auf die Seite gestickt. Die Gürtelschnalle samt Emblem gibt es in fünf Variationen in Schwarz/weiß mit oder ohne rotem Stern und mit Strahlenkranz um des Revolutionsführers Haupt.

Der gepiercte Che
Die Posterauswahl reicht von Schwarz-weiß originalen zu Popart-Inszenierungen in Andy-Warhol-Manier oder mit blauem Strahlenkranz. Pins, Buttons, Schlüssel- und Kettenanhänger, Feuerzeuge und Brieftaschen runden das Programm ab. Er grüßt von der Küchenuhr, winkt vom Poster und post auf dem Flachmann – ganz Mutige tragen ihn auf der Zunge, als Zungenpiercing. Und wer will, kann mit Hilfe von Che auch Post verschicken Postkarten, logo, aber auch Che-Briefmarken gibt es: Original versteht sich. Damit hat sich ihr originärer Wert von 65 Pesos auch mit 5,99 Dollar vervielfacht.

Revolutionäre weiterbilden kann man sich mit seinen «Motorcycle Diaries», «Guerilla Warfare», «Che Guevara on Global Justice», seine bolivianischen Tagebücher, die Autobiografie und die verschiedensten Biografien. Abstrus erweitert wird die Literaturliste durch recht revolutionärsferne Titel wie «A Girl like Che Guevara» und «Loving Che». Privat anhimmeln kann man ihn mit Hilfe der Gipsbüste, Material: Gußgips. Wie groß sie ist, steht nicht geschrieben, dafür ist eine Kurzzusammenfassung seines Wirkens aus Wikipedia rauskopiert.

In bed with Che
Die Auswüchse des Kommerz machen es möglich mit Ernesto Che in einem Bett zu schlafen: Rote Bettwäsche oder in den Farben der kubanischen Flagge samt obligatorischem Konterfei auf Kissen und Decke für knapp hundert Euro. Passend dazu in dieser Kollektion: das Strandtuch. Oder die Handycover Oberschale von Siemens. Passend dazu die Handytasche.

Wenn man es mit der Revolution nicht ganz so genau nimmt, kann man den Kubaner auch als Fußabtreter missbrauchen (aktuelles Angebot: neun Euro bei Ebay), als Aschenbecher oder Schweißband. (nz)