Europa im All: 

netzeitung.deWeltraumfrachter zu Jungfernflug gestartet

 Herausgeber: netzeitung.de

Die Trägerrakete Ariane ist erfolgreich gestartet (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Trägerrakete Ariane ist erfolgreich gestartet
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Europa hat zum ersten Mal einen eigenen Weltraumfrachter ins All geschossen. Nach umfangreichen Flugmanövern soll «Jules Verne» an die Raumstation ISS andocken und seine Mission als «Mülleimer» erfüllen.

Der europäische Weltraumfrachter «Jules Verne» ist am Sonntagmorgen erfolgreich zu seinem Jungfernflug gestartet. Pünktlich um 5.03 Uhr (MEZ) hob eine Ariane-5-Trägerrakete vom Raumfahrtbahnhof Kourou (Französisch Guayana) ab und brachte das unbemannte Transportfahrzeug ins All.

Damit hat Europa nur einen Monat nach dem erfolgreichen Start des Weltraumlabors «Columbus» mit einem US-Shuttle erstmals in Eigenregie einen Transporter zur Internationalen Raumstation ISS geschickt.

An vielen Raumfahrt-Standorten in Europa hatten hunderte Techniker und Wissenschaftler die Live-Übertragung des Starts und der wichtigsten ersten Flugphasen verfolgt. Zehn Minuten nach dem Abheben der Ariane-5-Spezialversion mit ihrer Rekordnutzlast wurde das ausgebrannte Haupttriebwerk abgesprengt. Danach trieb die in Bremen gebaute Oberstufe das ATV (Automated Transport Vehicle) in eine Umlaufbahn zwischen 140 und 260 Kilometern Höhe. Nach dem Brennschluss und der Trennung von der Ariane-Oberstufe fuhr «Jules Verne» gegen 6.30 Uhr seine Sonnensegel aus und nahm mit seinen Navigationssystemen einen ersten «Rundumblick» zur Orientierung vor.

Umfangreiche Flugmanöver bis zum Andocken
Bis zum Andocken an die ISS plant die ESA über ihr neues ATV- Kontrollzentrum in Toulouse umfangreiche Flugmanöver. Dabei sollen die neuen Navigations- und Kontrollsysteme getestet werden, um eine sichere Annäherung an die bemannte Raumstation zu gewährleisten.

Dort soll «Jules Verne» nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation Esa Anfang April mit rund sechs Tonnen Nachschub automatisch andocken und sechs Monate lang mit der ISS verbunden bleiben. Dabei soll er die Raumstation mit seinem Triebwerk auf eine höhere Umlaufbahn führen. Die ISS hat bei ihrem Flug um die Erde ständig etwas an Höhe verloren. Der zehn Meter lange und rund 20 Tonnen schwere Weltraumfrachter soll schließlich als «Mülleimer» der ISS benutzt werden und sechs Tonnen Abfall aufnehmen. Danach fliegt das ATV Richtung Erde und verglüht mit dem Müll aus der Raumstation in der Atmosphäre.

Missionsbeginn als wichtigen Schritt gefeiert
Nur einen Monat nach dem erfolgreichen Start des Weltraumlabors «Columbus» feierten die Europäer den Missionsbeginn als wichtigen Schritt. «Europa ist nun ein wichtiger Partner für den Betrieb der ISS», sagte der Chef der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Jean Jacques Dordain, in Kourou. «Es ist das größte und schwerste Raumfahrzeug aus Europa. Statt Geld zahlen wir mit 20 Tonnen High- Tech für die Kosten unseres Teils der ISS», sagte ESA-Direktor Gaele Winters in Bremen. Der ATV-Prototyp «Jules Verne» hat 1,3 Milliarden Euro gekostet, vier Nachfolger sind bestellt.

ATV soll die Lücke schließen zwischen der Stilllegung der veralteten US-Shuttles voraussichtlich im Jahr 2010 und der Inbetriebnahme der Nachfolge-Fähren, für die noch kein konkretes Datum bekannt ist. Es gilt als Zwischenschritt für vollautomatische Missionen zu Mars oder Mond. Es könnte aber auch das Grundmodell für bemannte Fähren sein, sagte der Chef der Raumtransportgesellschaft Arianespace, Yves Le Gall. Europa besitze alle Grundelemente für die bemannte Raumfahrt. Er sei aber nicht sicher, ob die ESA-Staaten die nötigen zehn Milliarden Euro für das Projekt aufbringen werden, sagte Le Gall dem «Parisien» (dpa/AP)