Europa im All:
Weltraumfrachter zu Jungfernflug gestartet
09.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
An vielen Raumfahrt-Standorten in Europa hatten hunderte Techniker und Wissenschaftler die Live-Übertragung des Starts und der wichtigsten ersten Flugphasen verfolgt. Zehn Minuten nach dem Abheben der Ariane-5-Spezialversion mit ihrer Rekordnutzlast wurde das ausgebrannte Haupttriebwerk abgesprengt. Danach trieb die in Bremen gebaute Oberstufe das ATV (Automated Transport Vehicle) in eine Umlaufbahn zwischen 140 und 260 Kilometern Höhe. Nach dem Brennschluss und der Trennung von der Ariane-Oberstufe fuhr «Jules Verne» gegen 6.30 Uhr seine Sonnensegel aus und nahm mit seinen Navigationssystemen einen ersten «Rundumblick» zur Orientierung vor.
Dort soll «Jules Verne» nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation Esa Anfang April mit rund sechs Tonnen Nachschub automatisch andocken und sechs Monate lang mit der ISS verbunden bleiben. Dabei soll er die Raumstation mit seinem Triebwerk auf eine höhere Umlaufbahn führen. Die ISS hat bei ihrem Flug um die Erde ständig etwas an Höhe verloren. Der zehn Meter lange und rund 20 Tonnen schwere Weltraumfrachter soll schließlich als «Mülleimer» der ISS benutzt werden und sechs Tonnen Abfall aufnehmen. Danach fliegt das ATV Richtung Erde und verglüht mit dem Müll aus der Raumstation in der Atmosphäre.
ATV soll die Lücke schließen zwischen der Stilllegung der veralteten US-Shuttles voraussichtlich im Jahr 2010 und der Inbetriebnahme der Nachfolge-Fähren, für die noch kein konkretes Datum bekannt ist. Es gilt als Zwischenschritt für vollautomatische Missionen zu Mars oder Mond. Es könnte aber auch das Grundmodell für bemannte Fähren sein, sagte der Chef der Raumtransportgesellschaft Arianespace, Yves Le Gall. Europa besitze alle Grundelemente für die bemannte Raumfahrt. Er sei aber nicht sicher, ob die ESA-Staaten die nötigen zehn Milliarden Euro für das Projekt aufbringen werden, sagte Le Gall dem «Parisien» (dpa/AP)

