Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Forschungsmodul «Columbus»: 

Europas «Eigentumswohnung» im All

07. Feb 2008 07:48
Bild vergrößern
Das Labormodul «Columbus» ist der ganze Stolz der europäischen Raumfahrt. Die geplanten Experimente sollen unter anderem Ölteppiche beseitigen helfen und Erkenntnisse über Knochenschwund liefern.

Mit dem Start des Labormoduls «Columbus» ins All beginnt für die Europäische Raumfahrt ein neues Kapitel. Die 13 Tonnen schwere Röhre aus Aluminium und Kevlar ist so etwas wie Europas ständige Vertretung in der Internationalen Raumstation ISS. «Wir haben dann dort eine Eigentumswohnung», sagte ESA-Sprecher Bernhard von Weyhe, der trotz der langen Verzögerungen immernoch euphorisch ist.

Mehr in der Netzeitung:
Das mit mehrjähriger Verspätung startende Forschungsmodul gilt aber auch als Quantensprung für die Forschungsarbeiten auf der ISS. In der 6,9 Meter langen und 4,5 Meter breiten Röhre sollen während seiner auf zehn Jahre angesetzten Lebensdauer tausende Experimente aus den Bereichen Biologie, Medizin, Materialwissenschaften und Plasmakristall-Forschung stattfinden.

Von den 75 Kubikmetern ist jeder Zentimeter verplant. Die Experimente werden in zehn standardisierten Schränken ablaufen. Die so genannten International Standard Payload Racks (ISPRs) haben in etwa die Größe einer Telefonzelle. Sie arbeiten unabhängig voneinander. Neben dem eigentlichen Labor beinhalten die Schränke auch eine eigene Stromversorgung, Kühlung sowie Video- und Datenleitungen zu den Forschern auf der Erde. Fünf dieser Racks sind bereits in «Columbus» eingebaut:

Stichwort:
Die Planungen für «Columbus» reichen bis in die 1980er Jahre zurück: 1987 beschloss der Esa-Ministerrat den Bau des Labors, 1996 vergab die Esa den Auftrag an die spätere EADS. Als die Raumfähre «Columbia» 2003 beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte und die Nasa ein Startverbot für die gesamte Shuttle-Flotte verhängte, musste das Programm mehr als drei Jahre verschoben werden. Währenddessen wurde das Modul technisch noch einmal auf den neuesten Stand gebracht. Konsortialführer für das 880-Millionen-Euro-Projekt ist EADS Astrium in Bremen, wo an dem Labor zehn Jahre gearbeitet wurde.
Im Biolab laufen Experimente mit Mikroorganismen, Zell- und Gewebekulturen sowie kleinen Pflanzen und Insekten. Dieser Bereich war auch am deutlichsten von den zweimonatigen Startverzögerungen betroffen. Einige Pflanzen und Kulturen mussten während der Wartezeit durch frische Exemplare ersetzt werden.

Die European Physiology Modules Facility (EPM) beinhaltet Experimente, die die Langzeitwirkung von Raumflügen auf den menschlichen Organismus untersuchen. Die Ergebnisse sollen auch dabei helfen, Leiden wie altersbedingten Knochenschwund oder Gleichgewichtsstörungen zu verstehen.

Im Fluid Science Laboratory (FSL) wird mit dem Verhalten von Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit experimentiert werden. Dies soll laut Esa unter anderem technologische Erkenntnisse zum besseren Beseitigen von Ölteppichen oder zum Fertigen hochpräziser optischer Linsen liefern.

Das European Drawer Rack (EDR) wird kleinere Experimente und Zubehör beinhalten. Der European Transport Carrier ist dagegen so etwas wie der universelle Schreibtischrollcontainer im All. In ihm kann alles Mögliche verstaut werden, im All wird er dann auch als eine Art Arbeitstisch dienen.

Neben den Laborschränken werden auch zwei Instrumente an der Außenseite von «Columbus» montiert werden. In der European Technology Exposure Facility (EUTEF) laufen Experimente unter tatsächlichen Weltallbedingungen ab. Es werden die Einflüsse von Vakuum, kosmischer Strahlung und Temperaturschwankungen untersucht. Die Plattform SOLAR beobachtet zudem Sonnenaktivitäten.

Um die volle Funktionalität (Fullscreen-Modus) zu erreichen, benötigen Sie den Flashplayer 9.0.28
Das Plugin können Sie hier herunterladen
ESA
Sämtliche Informationen über Experimente und Kontrolldaten laufen im Esa-Steuerzentrum im bayrischen Oberpfaffenhofen zusammen. Die beteiligten Wissenschaftler aus allen Teilen Europas können ihre Experimente aber auch direkt von ihrem Arbeitsplatz oder von lokalen Userzentren steuern und beobachten.

Mehr im Internet:


 
DruckenVersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
UN-Klimakonferenz in Poznan: 
«Wir haben keine Zeit zu verlieren»
Alte Wetterdaten decken auf: 
Chinesen könnten von Klimawandel profitieren
 
Studie über Cyberchondrie: 
Wenn das Internet richtig krank macht
 
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.