03. Jan 2008 09:33
Er ist zehnmal so schwer wie der Planet Jupiter, und er zeigt seine Kinderstube: Der neu entdeckte Planet TW Hydrae b gibt Aufschluss über die Entstehung dieser Himmelskörper.
Der Planet gilt als «Schwergewicht» - er hat etwa die zehnfache Masse des Jupiters, des größten Planeten in unserem Sonnensystem. Dabei umkreist er seinen Zentralstern in nur 3,56 Tagen in einem Abstand von etwa sechs Millionen Kilometern - zum Vergleich: Die Erde ist etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Jupiter schon 780 Millionen Kilometer. Die Beobachtung, die am Donnerstag im britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 451, S. 38, DOI: 10.1038/nature06426) erscheint, hilft Astronomen dabei, die Planetenentstehung zu verstehen. Planeten bilden sich aus Staub und Gas in einer zirkumstellaren Scheibe unmittelbar nach der Geburt des Zentralsterns.
Noch sind aber nicht alle Aspekte dieses Prozesses verstanden. Bisher wussten die Astronomen, dass die Lebensdauer dieser zirkumstellarer Scheiben im statistischen Mittel zehn bis 30 Millionen Jahre beträgt - diese Zeit steht für die Bildung von Planeten in der Scheibe maximal zur Verfügung, wie das Max-Planck-Institut erläuterte.
Mit der Neuentdeckung können die Wissenschaftler nun Rückschlüsse auf die obere Zeitdauer ziehen, die zur Planetenbildung nötig ist: Die Entstehung kann nicht länger als acht bis zehn Millionen Jahre gedauert haben, das ist das Alter des Muttersterns TW Hydrae, einer nahe gelegenen Sonne im Sternbild Wasserschlange (Hydra). Unsere Sonne ist bereits rund 500 Mal so alt. «Damit ist uns erstmals der direkte Beweis gelungen, dass in einer zirkumstellaren Scheibe tatsächlich Planeten entstehen», sagte der Direktor der Abteilung Planeten- und Sternentstehung in Heidelberg, Thomas Henning.
Die systematische Erforschung der extrasolaren Planeten, also der Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, hat Mitte der 1990er Jahre begonnen. Seitdem wurden mehr als 250 extrasolare Planeten entdeckt. «Da Planeten nahe bei einem hellen Stern wie Glühwürmchen neben einem Flutlichtstrahler erscheinen, lassen sie sich meist (noch) nicht direkt beobachten», heißt es in der Mitteilung des Instituts. Die Astronomen sind daher auf indirekte Nachweismethoden angewiesen. Dabei machen sie es sich zunutze, dass große Planeten durch ihre Schwerkraft an ihrem Stern zerren, während sie ihn umkreisen. Dadurch wackelt der Stern messbar hin und her: «Einmal kommt er ein Stück auf uns zu, dann läuft er von uns weg.» Die Heidelberger Wissenschaftler haben seit 2003 bei etwa 200 jungen Sternen nach diesen Veränderung der sogenannten Radialgeschwindigkeiten gespäht. Beim Stern TW Hydrae fanden sie Hinweise auf einen «planetaren Begleiter», der den Stern am inneren Rand seiner zirkumstellaren Scheibe umkreist. Entdeckt wurde der Planet mit Hilfe eines Spektrographen an einem Teleskop der Max- Planck-Gesellschaft und der Europäischen Südsternwarte in Chile. (nz/dpa/AP)