All statt Vorruhestand06. Dez 2007 09:09  |  "Weder alt noch Hase" | Foto: dpa/Esa |
|
Mit 56 Jahren denken manch andere an Ruhestand. Hans Schlegel dagegen fliegt ins All und wenn es nach ihm geht, soll es nicht die letzte Mission gewesen sein.
Laien stellen sich Astronauten meist etwas jünger vor, irgendwie strahlender, gestählter. Hans Schlegel ist immerhin 56, andere Männer denken da an Vorruhestand. Das Besondere ist, dass Schlegel über das Thema Alter durchaus reden kann. «Es ist 15 Jahre her, dass ich das letzte Mal im Weltall war», erzählte er ohne Scheu vor Journalisten. Er sei selbst gespannt, wie sein Körper diesmal auf die Anspannung und die Schwerelosigkeit reagiert.
Am Donnerstag fliegt Schlegel gemeinsam mit sechs weiteren Astronauten an Bord des US-Shuttle «Atlantis» ins All. Auf ihn kommt es an - seine Aufgabe ist es, das europäische Weltraumlabor «Columbus» an die Internationalen Raumstation ISS anzudocken.Natürlich wurde Schlegel auch gefragt, wie das bei einer Shuttle- Mission so mit der Angst ist. Solcherart Fragen nach dem eigenen Seelenzustand sind «kühlen Technikern» ansonsten ziemlich unangenehm. Schlegel, der Diplom-Physiker aus Aachen, geht damit souverän um. «Natürlich, wenn Sie auf 2000 Tonnen Sprengstoff sitzen, haben sie auch Respekt.» Soviel zum Thema Raumfahrt und Angst, schließlich war Schlegel, Ehemann und Vater von sieben Kindern, 1993 mit der Raumfähre «Columbia» unterwegs - das ist der Shuttle, der 2003 beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte. Alle sieben Astronauten kamen dabei ums Leben. Schlegel kannte jeden von ihnen.
Daten & Fakten: ColumbusDas Forschungslabor «Columbus» ist das Herzstück der europäischen Beteiligung an der "ISS". An Bord des knapp sieben Meter langen und 13 Tonnen schweren Moduls laufen in fünf standardisierten Schränken Experimente in der Schwerelosigkeit ab - an Zellen, Gewebekulturen, Mikroorganismen und wirbellosen Tieren ebenso wie Grundlagenforschungen zum Knochenaufbau oder Materialprüfung. Konsortialführer für das 880-Millionen-Euro-Projekt ist EADS Astrium in Bremen, wo an dem Labor zehn Jahre gearbeitet wurde. Die Europäer nutzten die fast dreijährige Verzögerung beim Aufbau der "ISS" nach dem Unfall der US-Raumfähre «Columbia» 2003, um «Columbus» technisch noch einmal auf den neuesten Stand zu bringen. |
|
Geboren wurde Schlegel 1951 in Überlingen am Bodensee, als seine Heimatstadt betrachtet er aber Aachen. Dort hat er studiert - in Wirklichkeit ist er aber überall zu Hause, wo es um Raumfahrt geht. Er hat Astronauten-Ausbildungen in Deutschland, Russland und den USA hinter sich. Als er im Frühjahr 1993 als «Nutzlastspezialist» in der «Columbia» unterwegs war, bekam er von einem Astronauten-Kollegen eine Injektion in den Arm - man wollte das Verhalten von Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit studieren. 1997 war Schlegel Ersatzmann für eine deutsch-russische Mission zur Raumstation «Mir». Überhaupt denkt er international. «Ich fühle mich in erster Linie als europäischer Astronaut, aber deutscher Nationalität.»Der siebenfacher Familienvater, berichtet auch von dem «Lebensgefühl» da oben in fast 40 Kilometer Höhe. «Es gibt kein oben und unten, es gibt kein Rechts und Links, kein vorwärts und rückwärts. Im All ist alles gleich.» Auch sonst scheint nicht alles so einfach zu sein in der ISS: «Zumindest auf dem Papier sind ja acht Stunden Schlaf pro Nacht vorgesehen...», meint er. Das klingt, als müssten die Astronauten nicht selten mit weniger auskommen.
 |  Arbeiten im Weltraumlabor "Columbus" | Foto: Esa |
|
An zwei von drei Außeneinsätzen wird der Oberstleutnant der Reserve dabei sein. Das 13 Tonnen schwere Labor muss an Ort und Stelle bugsiert, dann angeschlossen und verkabelt werden. Gut sechs Stunden dauert ein «Weltraumspaziergang», wie das die US-Weltraumbehörde Nasa noch immer nennt. In Wahrheit handelt es sich um Schwerstarbeit.Allerdings, wenn er am 17. Dezember wieder sicher zur Erde zurück ist, kann Schlegel erst mal ausspannen. «Weihnachten feiern, ein bisschen Skifahren.» Aber schon jetzt denkt er an weitere Missionen. Zwar ist er 56 Jahre alt, aber als Vorruheständler fühlt er sich noch lange nicht. Als ein Journalist ihn als «alten Hase» der Raumfahrt anredet, wird Schlegel fast ein bisschen unwirsch. «Ich bin weder alt, noch ein Hase.» (Peer Meinert, dpa)
|