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Das Sonnensystem der Zwölf (Ceres, Pluto und Charon sowie 2003 UB313 sind nur als Punkte erkennbar) Bild: IAU/Martin Kornmesser (Bild: IAU/Martin Kornmesser<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Sonnensystem der Zwölf (Ceres, Pluto und Charon sowie 2003 UB313 sind nur als Punkte erkennbar) Bild: IAU/Martin Kornmesser
Bild: IAU/Martin Kornmesser
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Sonnensystem hat neun Planeten? Das war einmal. Nach Ansicht führender Astronomen sind es zwölf - und weitere werden hinzu kommen.

Bis zum 13. März 1930 war das Sonnensystem noch in Ordnung. Einige Asteroiden und Kometen sowie acht Planeten umrundeten die Sonne. Doch dann wurde die Entdeckung des «neunten Planeten» Pluto bekannt gegeben und eine bis heute andauernde Diskussion darüber angestoßen, welche Himmelskörper «Planeten» sind und welche nicht.
Das System der Zwölf
Auf der Versammlung der International Astronomical Union (IAU) in Prag wagen nun Wissenschaftler einen neuen Definitionsversuch. Zu den acht inneren Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun kommt demnach Ceres. Ihre Umlaufbahn liegt zwischen Mars und Jupiter. Mit einem Durchmesser knapp unter 1000 Kilometern wurde Ceres, benannt nach der römischen Göttin der Erde und ihrer Früchte, bislang zu den Asteroiden gerechnet.

Der 1200 Kilometer große Begleiter des Planeten Pluto, Charon, soll vom Mond zum Planeten befördert werden. Pluto und Charon kreisen um einen gemeinsamen Schwerpunkt, der zwischen ihnen liegt, etwa 1200 Kilometer über der Oberfläche des Pluto. Das Paar soll künftig als «Doppelplanet» bezeichnet werden.

Ein im Oktober 2003 entdecktes Objekt, vorläufig «2003 UB313» benannt, vervollständigt das neue Solarsystem der zwölf Planeten – vorausgesetzt, die Definition findet die Zustimmung der IAU-Versammlung. Am 24. August soll entschieden werden, was man künftig unter dem Wort «Planet» verstehen soll.

Streitfall Pluto
Der Planet Pluto, entdeckt vom US-Amerikaner Clyde Tombaugh, erfüllte alle Bedingungen, die man 1930 stellte: er bewegte sich vor dem Hintergrund der Fixsterne. Doch der mit einem Durchmesser von rund 2300 Kilometern vergleichsweise kleine Himmelskörper passte nicht in das Bild eines ordentlichen Planeten. Plutos Umlaufbahn liegt nicht in der Ebene der Umlaufbahnen der inneren Planeten. Sie ist ihr gegenüber um etwa 17 Grad gekippt. Zudem ist Plutos Bahn so stark elliptisch, dass sie die des Neptun kreuzt. Pluto umrundet die Sonne zeitweise in geringerem Abstand als Neptun.

Mit der Verbesserung der Teleskope und der Entdeckung weiterer Himmelskörper geriet die Definition Plutos als Planet zunehmend in die Kritik. Einige der Objekte sind massereicher als Pluto und haben damit nach Ansicht ihrer Entdecker noch eher das Zeug zum Planeten. «Diese Entdeckungen haben berechtigterweise die Frage aufgeworfen, ob sie als neue Planeten angesehen werden sollen oder nicht», sagt der IAU-Präsident Ron Ekers.

Masse und Umlaufbahn
Ein siebenköpfiges Gremium hat daher die neue Definition erarbeitet. Die Diskussion hatte einigen der Mitglieder eine schlaflose Nacht bereitet, heißt es in einer Mitteilung der IAU. Doch am nächsten Tag wurden einstimmig zwei Kriterien verabschiedet, an denen der Planetenstatus bemessen werden kann.

Das erste ist die Masse. Der Himmelskörper muss so groß sein, dass er unter der Wirkung der eigenen Schwerkraft eine kugelartige Form einnimmt. Das ist bei einem Gewicht von fünf mal zehn hoch zwanzig Kilogramm – gut der Hälfte der Masse der Ceres – und einem Durchmesser von rund 800 Kilometern gegeben. Grenzfälle müssten einzeln unter die Lupe genommen werden, schlagen die Astronomen vor.

Das zweite Kriterium ist die Umlaufbahn. Der Himmelskörper muss einen Stern umrunden, darf aber keiner sein.

Eine Klasse für sich
Die Diskussion um Pluto wäre damit beendet, der Himmelskörper weiterhin offiziell ein Planet. Angesichts der Unterschiede zu den inneren Planeten soll für Pluto, Charon und 2003 UB313 jedoch die Spezifizierung «Pluton» eingeführt werden. Plutonen sind Planeten, die für ihre Reise um die Sonne mehr als zwei Jahrhunderte benötigen. Bei Pluto und Charon sind es 248 Jahre, bei 2003 UB313 etwa 560.

Die Astronomen rechnen damit, dass außerhalb der Umlaufbahn des Neptuns weitere Plutonen entdeckt werden. Schon heute würden auf einer Beobachtungsliste zwölf Kandidaten geführt. Mit dem Merksatz für die Anfangsbuchstaben und die Reihenfolge der bisherigen offiziell anerkannten Planeten kann man sich bald wahrscheinlich nicht mehr behelfen. «Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten» war gestern.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier