netzeitung.deMars-Sonde erreicht Ziel

 Herausgeber: netzeitung.de

Der Mars Reconnaissance Orbiter Bild: Nasa-JPL (Bild: Nasa-JPL<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Mars Reconnaissance Orbiter Bild: Nasa-JPL
Bild: Nasa-JPL
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine Nasa-Sonde ist auf eine Umlaufbahn um den Mars eingeschwenkt. Die Mission dient auch zur Vorbereitung eines bemannten Flugs zum Roten Planeten.

Von Hans Dahne

In 20 Jahren will die Nasa sechs Astronauten auf eine zwei Jahre lange Reise zum Mars schicken. Bis dahin muss die US-Raumfahrtbehörde noch einige Rätsel des roten Planeten lösen und geeignete Landeplätze erkunden.

Hausgroß in der Mars-Umlaufbahn
Mit geballter Hightech, die alle bisherigen Sonden in den Schatten stellt, ist die Nasa in der Nacht zum Samstag mit dem «Mars Reconnaissance Orbiter» (MRO) beim Nachbarplaneten angerückt. Die hoch auflösende Kamera an Bord sei so gut, dass man aus 300 Kilometern Höhe «verrückte Mars-Männchen auf ihrem Boogieboard surfen sehen könnte», sagt Colleen Hartman von der Nasa-Abteilung für Weltraumforschung.

Nach einem sieben Monate langen und 500 Millionen Kilometer weiten Flug soll die neue Sonde ab November ihre zweijährige wissenschaftliche Arbeit beginnen. Sie wird dabei nach Angaben der Nasa mehr Daten zur Erde funken, als die rund drei Dutzend Mars-Expeditionen aller Länder seit Oktober 1960 zusammengenommen. «Die Lehrbücher über den Mars müssen neu geschrieben werden», freut sich Programmmanager Jim Graf.

Der Orbiter ist mit 6,5 Metern so hoch wie ein zweistöckiges Haus. Sechs wissenschaftliche Geräte sind an Bord, darunter auch ein Radar, um unter der Oberfläche Eis und Wasser aufzuspüren.

Warum die Nasa angesichts der hohen Kosten für die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie für den Wiederaufbau nach Hurrikan «Katrina» das Mars-Programm so vehement vorantreibe, wollte eine Journalist vom wissenschaftlichen Leiter Richard Zurek wissen. Der Mars sei jener Planet im Sonnensystem, der der Erde am ähnlichsten sei, sagt Zurek. Erkenntnisse über den Klimawechsel seien auch für die Erde interessant. Außerdem sei der Mars für Menschen erreichbar.

Zwölf US-Astronauten haben zwischen Juli 1969 und Dezember 1972 ihren Fuß auf den Mond gesetzt. 60 Jahre später will die Nasa wieder auf dem Erdtrabanten Quartier machen. Von dort aus sollen dann die bemannten Mars-Expeditionen beginnen.

Gestresste Pflanzen
Das alles ist kühne Vision. Heute gibt es noch nicht einmal sichere Raumfähren oder Raumanzüge, deren Haut die Weltenreisenden vor der zerstörerischen kosmischen Strahlung und Krebs-Gefahr schützt. Weitgehend ungelöst ist die Versorgung mit Energie, Wasser und Sauerstoff. Schließlich fliegen die Astronauten sechs Monate zum Nachbarplaneten, halten sich dann dort 18 Monate auf und benötigen für die Rückkehr wiederum ein halbes Jahr.

Eine Denkschule von Nasa-Kritikern hält die Space Shuttle und die Internationale Raumstation ISS für die größten Fehler und die reine Geldverschwendung. Jetzt liefert die ISS mit ihren Pflanzen-Experimenten ein zentrales Stück im großen Mars-Puzzle. Die Astronauten müssen nämlich Pflanzen züchten, die ihnen Nahrung und Sauerstoff liefern. Das Problem: Die geringere Anziehungskraft und der niedrige Druck der Atmosphäre auf dem Mars würden die Pflanzen «stressen» und sie nur schwer wachsen lassen, schreibt die Nasa.

Jeder der sechs Astronauten muss pro Tag rund fünf Liter Wasser trinken. Diese Masse – auf zwei Jahre hochgerechnet – sei viel zu schwer, um sie von der Erde zum Mars zu transportieren, schreibt der US-Journalist Benjamin Wallace-Wells in einem Mars-Essay für die Zeitschrift «Rolling Stone». Die Nasa teste deshalb Verfahren, um Trinkwasser aus Urin zu gewinnen. Dieses Wasser würde zurzeit zumindest besser schmecken als manche amerikanische Light-Biersorte.

«Erst auf dem Mars werden wir anfangen zu lernen, ob sich die Menschheit auf einen einzigen Planeten beschränken muss. Erst auf dem Mars werden die Menschen erforschen können, ob es anderes Leben gibt. Das sind die beiden großen Ziele, für die wir Menschen in das All schicken», sagt der Direktor der gemeinnützigen Planetary Society, Louis Friedman. (dpa)