Nasa-Sonde fliegt zum Pluto
16.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der Planet Pluto, der «Eiszwerg» am Rand unseres Sonnensystems, bekommt erstmals Besuch von der Erde. Am morgigen Dienstag soll die Sonde «New Horizons» der US-Weltraumbehörde Nasa vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida starten.
Die Nasa spricht bei der Mission von «astronomischer Archäologie». «Die Erforschung von Pluto und des Kuipergürtels ist wie ein archäologischer Spatenstich in die Geschichte des äußeren Solarsystems; ein Platz, wo wir in die vergangenen Zeiten der Planetenbildung schauen können», sagt Alan Stern vom Southwest Research Institute in Boulder, Colorado.
Aber auch aus einem anderen Grund ist Pluto für die Astronomen ein «wissenschaftliches Wunderland». Anders als andere Himmelskörper im so genannten Kuiper-Gürtel jenseits des achten Planeten Neptun hat Pluto beispielsweise nicht nur einen Mond, sondern drei Trabanten. Dabei ist der Mond Charon so groß, dass manche Wissenschaftler sogar von einem Doppelplaneten sprechen.
Frühestens im Juli 2015 fliegt «New Horizons» in einer Entfernung von rund 10.000 Kilometern an Pluto vorbei. Fünf Monate lang wird die Sonde den Planeten und dessen Mond Charon untersuchen.
Rund 700 Millionen US-Dollar lässt sich die Nasa den Flug in die weniger erforschten Weiten am Rand unseres Sonnensystems kosten. Die Raumsonde hat etwa die Größe eines Klaviers und wiegt 478 Kilogramm. Eines der sieben Instrumente an Bord ist das Ultraviolett-Spektrometer «Alice», mit dem die Zusammensetzung der Atmosphäre untersucht werden soll. Das «Auge Ralph» wird für die Kartografie benötigt. 200 Tage vor der Annäherung an Pluto wird die Kamera «Lorri» erstmals Aufnahmen machen. Deren Auflösung soll besser sein als die des Weltraumteleskops «Hubble».
Die meiste Zeit der neun Jahre langen Reise wird «New Horizons» in einer Art elektronischem Schlafzustand dämmern. Ein Mal pro Jahr sollen die wichtigsten Systeme geweckt und notfalls Kurskorrekturen vorgenommen werden. Jede Woche sendet die Sonde ein Lebenszeichen. Der Raumflugkörper benötigt nach Angaben der Nasa weniger Strom als zwei 100-Watt-Glühbirnen. Die Energie wird deshalb nach bisherigen Berechnungen für einen Flug aus unserem Sonnensystem heraus bis zum Jahr 2025 reichen. (dpa)

