15. Jul 2004 10:26
Aus dem Asteroidengürtel des Sonnensystems stammende Objekte können zehnmal schneller zur Erde reisen, als bislang angenommen.
Forscher um Philipp Heck von der Schweizer Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich haben Edelgasspuren an den fast eine halbe Milliarde Jahre alten Meteoriten untersucht. Die Bruchstücke aus dem Asteroidengürtel waren in einem Steinbruch in Südschweden in 480 Millionen Jahre alten Meeresablagerungen gefunden worden. Man nimmt an, dass die Bruchstücke bei einer der größten Asteroidenkollisionen in der späten Geschichte des Sonnensystems entstanden.Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins Nature berichten, ergab die Untersuchung der Meteoriten eine Reisezeit von wenigen Hunderttausend Jahren. Bislang hatte man angenommen, dass Asteroidentrümmer mehrere Millionen Jahre unterwegs sind, bevor sie mit der Erde kollidieren. Doch die geringe Konzentration von Edelgasen in den Meteoriten spricht dagegen, sagen die Forscher.
Die Edelgase entstehen während der Reise durchs All durch kosmische Bestrahlung. Da sie keine chemischen Reaktionen eingehen, sammeln sie sich in den Trümmern an. Nach der Messung der Konzentration dieser so genannten kosmogenen Edelgase lässt sich die Reisezeit zur Erde berechnen. Je höher die Konzentration, desto länger war der Meteorit unterwegs.
Die kurzen Bestrahlungsalter sind ein Hinweis dafür, dass sich die Kollision in der Nähe einer Bahnresonanz im Asteroidengürtel ereignete, teilte die ETH am gestrigen Mittwoch mit. An diesen Stellen im Asteroidengürtel ist die Umlaufzeit der Objekte um die Sonne ein Vielfaches der Umlaufzeit des Riesenplaneten Jupiter. Der Riesenplanet kann dadurch solche Asteroiden aus ihrer Bahn werfen, so dass sie die Erdbahn kreuzt und es zu Einschlägen kommt – und das offenbar weit schneller als bislang angenommen.Anhand der Edelgas-Konzentrationen konnten die Schweizer Forscher zudem beweisen, dass die fossilen Meteoriten aus Schweden alle vom selben Ereignis stammen. Die Kollisionen sind bei über einer Million mehrere Kilometer großen Himmelskörpern im Asteroidengürtel häufig. Die meisten dabei entstehenden Trümmer stürzen in die Sonne.
Die Methode der ETH-Forscher kann eingesetzt werden, um derartige Theorien über das Verhalten von Trümmern im Weltall zu prüfen. Dies zur Genauigkeit bei, mit der Meteoriteneinschläge auf der Erde vorhergesagt werden können. (nz)