netzeitung.dePrivatmann fliegt an den Rand des Weltalls

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White Knight mit SpaceShipOne (unten) im Schlepptau (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe White Knight mit SpaceShipOne (unten) im Schlepptau
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Erstmals ist es einem privaten Projekt gelungen, ein Raumschiff bis an den Rand des Alls zu schießen. Nach wenigen Minuten landete der 62-jährige Testpilot sicher in der Mojave-Wüste.

Mike Mevill sagt, es sei der Höhepunkt seines Lebens gewesen. Als erster Pilot eines privaten Forschungsprojektes flog er am gestrigen Donnerstag von Kalifornien aus ins All – oder zumindest an den Rand. Die Organisatoren sprachen bereits vom ersten privaten Weltraumflug: «Wir bereiten den Weg, dass auch der Rest der Menschheit ins All fliegen kann», hieß es anschließend.

Das Raumschiff SpaceShipOne war zunächst von dem Turbojetflugzeug White Knight in 15 Kilometer Höhe befördert und dort nach einer knappen Stunde Flugzeit ausgeklinkt worden. Von dort aus flog der der 62-Jährige Ex-Pilot Melvill 55 Sekunden an den Rand des Weltalls.

211.400 Fuß, umgerechnet etwas über 64 Kilometer, erreichte er mit «SpaceShipOne», das aussieht, als sei es aus einem Star-Trek-Film entsprungen. Auch wenn nach gängigen Definitionen das Weltall erst außerhalb der Atmosphäre ab etwa 10.000 Kilometern beginnt, so flog er immerhin bis in die Mesosphäre, in der der Himmel nicht mehr blau, sondern tiefschwarz erscheint.

Nach 55 Sekunden Raketenschub ließ Melvill das Raumschiff ohne Schub weiter einige Sekunden steigen, nur angetrieben durch die eigene Geschwindigkeit. Anschließend ging es in den Sinkflug über, im freien Fall, nur durch Stabilisatoren gelenkt. Zurück in unteren Atmosphärenschichten wurden Triebwerke gezündet, und Melvill flog das SpaceShipOne ähnlich einem Nasa-Shuttle zurück zum Mojave-Airport.

Er sagte anschließend, «ich würde eine Millionen Dollar geben, um es noch einmal zu tun. Den blauen Himmel zu sehen, wie er komplett schwarz wird, ist der Höhepunkt meiner Karriere».

25 Millionen Dollar Entwicklungskosten
Finanziert wurde das Projekt im wesentlichen vom Microsoft-Mitbegründer Paul Allen. Auch wenn die Kosten des Projektes geheim gehalten wurden, schätzen Experten, dass die Entwicklung etwa 25 Millionen Dollar gekostet hat.

Gebaut wurde die White Knight und das SpaceShipOne von Burt Rutan, der in den Achtzigerjahren Voyager gebaut hatte, das erste Flugzeug, das ohne Auftanken um die Welt flog. Der Chef des 130-Mann-Unternehmens Scales Composites sagte anschließend, mit dem SpaceShipOne habe man die größten technischen Probleme für einen Weltraumflug bewältigt. Er wolle später Weltraumflüge auch für Touristen anbieten. Schon im Jahr 2020 soll ein solcher Vier-Minuten-Flug für etwa 100.000 Dollar zu haben sein.

Er konkurriert mit anderen um den mit zehn Millionen Dollar dotierten «X-Preis». Dieser wurde vom Weltraumpionier Denis Tito, dem Lindbergh-Enkel Erik Lindbergh Autor Tom Clancy und einigen anderen ausgeschrieben für das Team, dem es als erstes ein Flug bis in 100 Kilometer Höhe (328.000 Fuß) gelingt. Ziel der Gruppe ist es, der bemannten Weltraumfahrt neuen Schub zu geben.


Für das Web ediert von Peter Müller