netzeitung.deSchwarzes Loch verschlingt Stern

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Illustration: Ein Stern wird durch die Gezeitenkräfte eines Schwarzen Lochs zerrissen. Bild: Nasa/CXC/MPI für extraterrestrische Physik (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Illustration: Ein Stern wird durch die Gezeitenkräfte eines Schwarzen Lochs zerrissen. Bild: Nasa/CXC/MPI für extraterrestrische Physik
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Dass Schwarze Löcher das Zentrum aktiver, leuchtkräftiger Galaxien bilden, gilt als sicher. Doch hungrige Schwerkraftmonster gibt es auch andernorts.

Wie ein Schwarzes Loch einen Stern in einem kosmischen Mahlstrom entzwei reißt, haben Astronomen jetzt erstmals beobachten können. Das letzte Aufflackern des Sterns im Röntgenlicht beweist, welche zerstörerische Kraft Schwarze Löcher auch in nicht aktiven Galaxien entfalten können.
Massereiches Schwarzes Loch
Astronomen entdeckten im Jahr 1992 mit dem Satelliten «Rosat» eine ungewöhnliche Quelle von Röntgenstrahlung. Eine im sichtbaren Licht «ganz normal» erscheinende Galaxie leuchtete im Röntgenlicht viel zu stark. Jetzt haben die Forscher vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching (MPI) diese Galaxie erneut mit drei der leistungsstärksten Observatorien im Erdorbit beobachtet: dem Hubble Space Telescope, dem Nasa-Satelliten Chandra und dem Esa-Satelliten XMM-Newton.

Wie das MPI am heutigen Donnerstag mitteilte, ist die Helligkeit dieser Galaxie seither auf ein Zweihundertstel abgesunken. Ihr Kern strahle im Röntgenlicht aber immer noch heller als eine normale Galaxie. Wie das internationale Forscherteam in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «Astrophysical Journal» lassen die freigesetzten Energiemengen zweifelsfrei auf ein sehr massereiches Schwarzes Loch im Kern dieser Galaxie schließen.

Eine Erde alle zehn Minuten
Die beobachtete Röntgenstrahlung stammt von einem Stern, der dem Zentrum der Galaxie zu nahe gekommen ist. Die «Gezeitenkräfte» des Schwarzen Lochs deformierten den Stern zunächst bevor sie ihn völlig zerrissen. In einer Art riesigem Strudel verschlang das Schwarze Loch dann einen Grossteil der Sternentrümmer. Im Sog der Schwerkraftfalle heizten sich die stellaren Überreste so stark auf, dass sie die intensive Röntgenstrahlung erzeugten.

Während des Maximums des Strahlungsausbruches muss das Schwarze Loch etwa alle zehn Minuten eine Materiemenge von der Größenordnung einer Erdmasse verschluckt haben, sagt Stefanie Komossa, eine an der Entdeckung beteiligte Wissenschaftlerin.

Der britische Astrophysiker Sir Martin Rees hat in seinen Arbeiten beschrieben, dass man als direkten Hinweis auf ein Schwarzes Loch beobachten können müsste, dass einzelne Sterne im Zentrum einer Galaxie durch seine Kräfte zerrissen und verschlungen werden. Der jetzt beschriebene Strahlungsausbruchs beweist nach Ansicht der MPI-Forscher, dass dieser Prozess tatsächlich in der Natur abläuft. (nz)