Transporter zur ISS gestartet
30.01.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Illustration: Laser-Licht soll das neuartige Modul zur Andockstelle leiten. Bild: Esa, D. Ducros
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die internationale Raumstation wird auf den Einsatz eines neuen Transportmoduls vorbereitet, das drei mal mehr Ladung aufnehmen kann als die jetzt eingesetzten Frachter.
Vom Kosmodrom im kasachischen Baikonur ist gestern die russische Progress-Rakete M1-11 zur International Space Station ISS gestartet. Der Transporter bringt die technische Ausrüstung, die für das Andocken eines neuen automatischen Transportmoduls benötigt wird. Mit an Bord des Transporters sind Geräte der holländischen Forschungsmission Delta und eine Art Strahlen-Dummy aus Köln.
Rendezvous mit Jules VerneDas erste europäische Automatische Transfer Vehikel (ATV) soll im Jahr 2005 an die ISS andocken. Das Modul kann bis zu 7,5 Tonnen Ladung aufnehmen etwa drei mal mehr als die russischen Progress-Frachter, teilte die europäische Weltraumagentur Esa am gestrigen Donnerstag mit.
Für das Rendezvous mit Jules Verne, dem ersten ATV, bringt der Progress-Frachter nun unter anderem so genannte Laser-Retroreflektoren zur ISS- Diese sollen an der Andockstelle angebracht werden und vom ATV ausgesandtes Laser-Licht reflektieren. Ab einer Entfernung von dreihundert Metern kann das ATV anhand der Reflektionen selbständig seine Entfernung und Orientierung zur ISS bestimmen und in der richtigen Position andocken.
Der Progress-Frachter transportiert zudem die Ausrüstung für einen Teil der Experimente, die auf der Delta-Mission durchgeführt werden sollen. Der holländische Astronaut André Kuipers wird am 19. April mit der restlichen Ausrüstung zu einem zehntägigen Aufenthalt zur ISS fliegen. Zur Zeit trainiert er im Zentrum «Star City» in der Nähe von Moskau. Während der Delta-Mission (für engl.: Dutch Expedition for Life science, Technology and Atmospheric Research) sollen unter anderem die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Menschen, aber auch auf Mikroben und Proteine untersucht werden.
Knochenfigur im RaumUm die Strahlung zu messen, der Astronauten bei Aufenthalten im offenen Raum ausgesetzt sind, hat das
Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Nachbildung eines menschlichen Torsos in Originalgröße angefertigt. Die «Matroshka» genannte Figur wurde aus Knochen und einem menschlichem Gewebe ähnlichen synthetischen Material angefertigt. Sie soll an der äußeren Hülle des russischen Teils der ISS montiert und für ein Jahr der kosmischen Strahlung ausgesetzt werden. In ihrem Inneren werden dann 20 verschiedene Detektorarten aufzeichnen, welcher Strahlung etwa Magen, Lungen, Nieren und Augen eines Menschen im All ausgesetzt sind.
Das Progress-Modul soll am morgigen Samstag um 14:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der ISS andocken. Die russischen Frachter haben seit dem Columbia-Unglück im Januar 2003 die Versorgungsflüge zur ISS übernommen.