03.11.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Sonneneruption, aufgenommen 1982
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sonnensturm auf Eis: Die Eruptionen der vergangenen Woche markieren nach Untersuchungen von Polareis-Proben einen Höhepunkt der Aktivität unseres Zentralgestirns.
Die Aktivität der Sonne ist zur Zeit größer als im vergangenen Jahrtausend. Das sagen Forscher, die Bohrkerne aus polarem Eis untersucht haben. Die Erkenntnis könnte die Diskussion um den Einfluss der Sonnenaktivität auf die Erwärmung des Erdklimas anheizen.
Bombardement aus dem WeltallWie das
Max-Planck-Institut für Aeronomie Katlenburg-Lindau in der vergangenen Woche mitteilte, ist die Sonne seit 1940 besonders aktiv. Die Forscher haben das Auftreten von Sonnenflecken, Gasausbrüchen und Strahlungsstürmen etwa 1150 Jahre zurückverfolgt. Gemeinsam mit Kollegen von der finnischen
Oulun yliopisto werteten sie historische Aufzeichnungen aus und untersuchten Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis.
Anhand der Häufigkeit radioaktiver Beryllium-Atome im Polareis kann ihre frühere Konzentration in der Atmosphäre errechnet werden. Die radioaktiven Teilchen entstehen, wenn der Luftmantel der Erde von hochenergetischer kosmischer Strahlung bombardiert wird. Zu Zeiten großer Aktivität schirmt das Magnetfeld der Sonne die Atmosphäre jedoch ab. Dann werden weniger radioaktive Beryllium-Atome im Polareis gespeichert.
Vergangene ErwärmungWie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «Physical Review Letters» berichten, ist die mittlere Sonnenfleckenzahl des vergangenen Jahrtausends rund zweieinhalb mal so hoch wie der langfristige Mittelwert. Zudem weise der zeitliche Verlauf der Sonnenaktivität große Ähnlichkeit mit der Entwicklung der mittleren Temperatur auf der Erde auf, heißt es in der Mitteilung weiter. So liegt eine weitere Periode erhöhter Sonnenaktivität zwischen den Jahren 1100 und 1250. Damals herrschte auf der Erde eine Warmzeit, zu der die Wikinger Siedlungen in Grönland unterhielten.
Die Sonne kann eine Klimaerwärmung über verschiedene physikalische Mechanismen begünstigt haben: So ist ihre Gesamtstrahlung bei größerer Sonnenaktivität intensiver als in «ruhigen» Zeiten. Nach einem umstrittenen Modell dänischer Forscher entstehen in der durch das Sonnenmagnetfeld abgeschirmten Erdatmosphäre zudem weniger Wolken, so dass weniger Strahlung von der Erdoberfläche abgeschirmt wird und die Temperaturen steigen.
Auf diese Weise könne die erhöhte Sonnenaktivität zu der seit 1900 beobachteten globalen Erwärmung beigetragen haben, schreiben die Forscher. Doch der seit 1980 eingetretene starke Anstieg der Erdtemperatur sei vor allem dem durch das Gas Kohlendioxid bewirkten Treibhauseffekt zuzuschreiben. (nz)