29. Okt 2003 09:50
Stürmische Zeiten im Sonnensystem: Strahlung von einer der größten jemals beobachteten Sonneneruptionen soll heute die Erde erreichen.
Die Explosion führte zu einem so genannten koronaren Massenausstoß (CME für engl.: coronal mass ejection). Die Partikelströme, die die Sonne dabei mit hoher Geschwindigkeit ins All schleudert, sind im Falle der gestrigen Eruption fast genau auf die Erde gerichtet, teilte die europäische Weltraumbehörde Esa am gestrigen Dienstag mit. Sobald das Material die Erde erreicht, erwarten die Astronomen helle Polarlichter.Bereits kurz nach dem CME wurde die Erde intensiv Röntgen-bestrahlt. Die Strahlung ionisierte die oberen Schichten der Atmosphäre und führte zu Störungen beim Radioempfang. Größeren Schaden könnten die hochenergetischen, positiv geladenen Partikel anrichten, die heute die Erde erreichen sollen. In einem solchen Protonensturm können die elektrischen Geräte von Satelliten gestört oder dauerhaft beschädigt werden.
Der gestrige CME war größer als die Sonne selbst, berichten die Astronomen. Seine Partikelströme sind besonders schnell. Während der so genannte Sonnenwind normalerweise eine Geschwindigkeit von 400 Kilometern pro Sekunde hat, ist das nach der gestrigen Eruption ausgestoßene Material mehr als fünf mal so schnell. Es reist mit rund 2145 Kilometern pro Sekunde durch den Weltraum.Menschen sind durch die Partikelströme nicht gefährdet. Die Erdatmosphäre hält den größten Teil davon ab. Wer allerdings in einem Flugzeug in großer Höhe reist, könnte mit einer Dosis bestrahlt werden, die in etwa einer Röntgenaufnahme des Brustraums entspricht.
Die Sonnenaktivität wird seit den siebziger Jahren regelmäßig untersucht. Die gestern mit Soho beobachtete Flare war die zweitgrößte, die das gemeinsame Esa/Nasa-Teleskop bislang beobachtet hat. Übertroffen wurde sie nur von einer Eruption im April 2001. (nz)