Erstmals Dunkle Materie kartiert
Galaxienhaufen sind die größten stabilen Systeme des Universums. Die sichtbaren Komponenten, die Sterne der Galaxien, stellen nur einen Bruchteil der Gesamtmasse. Etwa 80 bis 85 Prozent der Materie leuchtet nicht und bleibt daher im Teleskop unsichtbar. Diese «Dunkle Materie» hält mit ihren Gravitationskräften den Galaxienhaufen zusammen und fungiert als eine Art Kitt. «Worum es sich dabei genau handelt, wissen wir nicht», sagt der beteiligte Forscher Oliver Czoske vom Bonner Institut für Astrophysik und Extraterrestrische Forschung. Es gebe aber Hinweise, dass es sich um eine bislang noch unbekannte Form von Materie handelt.
Die Forscher konnten so erstmals Ergebnisse einer Computersimulation stützen, nach der die Dunkle Materie vor allem im Zentrum des Galaxienhaufens lokalisiert ist. Außerdem scheint die Dunkle Materie gehäuft in der Nähe von Galaxien vorzukommen, die gerade von dem Galaxienhaufen «geschluckt» werden. «Auch Galaxien enthalten bereits Dunkle Materie», so Czoske. Wird eine Galaxie von einem Galaxienhaufen geschluckt, streift sie offenbar einen Teil davon ab. «Wie das im Detail funktioniert, wissen wir noch nicht», sagt Czoske.
Weitere Beobachtungen sind geplant. Die Gruppe möchte noch in diesem Jahr einen zweiten Galaxienhaufen untersuchen. Dabei soll eine neue Kamera des Hubble-Teleskops zum Einsatz kommen, die um den Faktor zehn effizienter arbeitet und mit der sich die Masseverteilung noch genauer räumlich auflösen lässt. (nz)
