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Lupe Asteroidenschutz durch Atmosphäre unterschätzt

Himmelskörper verhalten sich in der Erdatmosphäre nicht so, wie es das Pfannkuchen-Modell vorhersagt. Neue Berechnungen sprechen gegen die geläufige Theorie.

Forscher haben mit einem Computermodell die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der große Himmelskörper auf der Erdoberfläche einschlagen. Das Risiko ist demnach geringer als bislang angenommen, die Gefahr für das Leben auf der Erde besteht jedoch weiterhin.
Seltene Katastrophen
Philip Bland vom Imperial College in London und Natalia Artemieva vom Institute for Dynamics of Geospheres in Moskau haben anhand von Simulationen untersucht, ob Asteroiden unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung auf der Erdoberfläche einschlagen oder in der Atmosphäre zerbrechen. Wie sie jetzt in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» berichten, zerschellen die meisten größeren Brocken am Luftschild der Erde.

Ein Objekt von 220 Metern Durchmesser trifft nach ihren Berechnungen nur etwa alle 170.000 Jahre auf die Erdoberfläche. Bisherige Schätzungen waren von einem solchen verheerenden Einschlag alle drei- bis viertausend Jahre ausgegangen. Doch auch kleinere Bruchstücke stellten eine Gefahr für das Leben auf der Erde dar. «Es gibt überwältigende Beweise dafür, dass Einschläge aus dem Weltraum Katastrophen für das Leben auf der Erde verursacht haben und das wieder tun werden», sagt Bland.

Pfannkuchen oder Fragmente
Wenn ein Asteroid auf die Erdatmosphäre trifft, zerbricht er durch die Wucht des Aufpralls meist in kleinere Bruchstücke. Bislang haben Wissenschaftler deren Bahn anhand des Pfannkuchen-Modells berechnet. Sie behandelten die Bruchstücke wie eine Flüssigkeit, die sich über eine größere Fläche ausbreitet – ein Pfannkuchen eben. «Die Zerfallshöhe des Asteroiden kann so akkurat berechnet werden», sagt Natalia Artemieva. Doch Aussagen über den Einschlag der Bruchstücke könnten nicht getroffen werden.

Die russische Forscherin hat das «Separate-Fragmente-Modell» entwickelt. Darin werden die Kräfte berücksichtigt, die auf jedes einzelne Bruchstück wirken. In Simulationen mit beiden Modellen ließ Artemieva Asteroiden aus Eisen oder Gestein in verschiedenen Größen bis zu einem Kilometer Durchmesser auf die Erde prallen. Die eisernen Himmelskörper gelangten in beiden Modellen bis zur Erdoberfläche. Doch die Gesteinsbrocken – in der Simulation von einem Kilogramm bis zu einer Milliarde Tonnen schwer – zerbrachen meist in der Atmosphäre.

Die Forscher schließen daraus, dass steinerne Asteroiden etwa 1000 mal größer sein müssen als eiserne Objekte, um einen ähnlich großen Krater zu hinterlassen.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier