netzeitung.deEuropäische Mars-Mission erfolgreich gestartet

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Die russische Sojus-Rakete in Baikonur Stunden vor dem Start. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die russische Sojus-Rakete in Baikonur Stunden vor dem Start.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die erste europäische Planetenmission ist auf dem kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur erfolgreich gestartet. An Bord einer Sojus-Fregat-Rakete tritt «Mars-Express» die Reise zum roten Planeten an. Thema: Europa startet erste Mars-Mission Forscher: Viking-Sonde fand Leben auf dem Mars

Mars-Express ist erfolgreich gestartet. Pünktlich um 23.45 Ortszeit (19.45 Uhr MESZ) hob die russische Sojus-Fregat-Rakete mit dem 1,5 mal 1,5 Meter messenden Forschungswürfel als Nutzlast im kasachischen Baikonur ab.

Wenige Minuten nach dem Start löste sich planmäßig die erste von vier Stufen der Sojus-Rakete. Nach 75 Minuten zündete die Oberstufe der Rakete, um die Sonde auf ihren endgültigen Kurs zu bringen. Im Anschluss fuhr «Mars Express» seine Solarzellenflügel aus und nahm den ersten Funkkontakt mit der Erde auf. Empfangen wurde das Signal genau zwei Stunden nach dem Start von einem Radioteleskop der Esa in Westaustralien.

Die 400 Millionen Kilometer lange Reise wird vom ESA-Raumfahrtkontrollzentrum in Darmstadt überwacht. Dort verfolgten rund 400 Gäste das Ereignis auf mehreren Videoleinwänden. Die Verantwortlichen für die Mission zeigten sich in einer ersten Bilanz hochzufrieden über den geglückten Start. David Southwood, Wissenschaftsdirektor der Esa, sagte: «Jeder Europäer kann heute ein wenig stolz sein». Er lobte außerdem die russischen Techniker in Baikonur: Die Zusammenarbeit habe hervorragend geklappt.

Halbjährige Reise
Der Mars Express wird ein halbes Jahr bis zum Nachbarplaneten brauchen. Am 19. Dezember soll er als Satellit in eine Umlaufbahn einschwenken. Gleichzeitig muss sich das Hauptgerät von dem Landeapparat namens Beagle 2 trennen. Nur wenn dieses Manöver klappt, kann Mars Express im vorgesehenen Orbit den Planeten umkreisen.

Der Landeapparat soll frühmorgens am ersten Weihnachtstag in einer Ebene nahe des Mars-Äquators niedergehen. Dabei muss er von 19.000 Kilometern pro Stunde auf 65 km/h abgebremst werden. Teil eins dieses Manövers erledigt die Mars-Atmosphäre, durch die die Geschwindigkeit von Beagle-2, geschützt durch ein Hitzeschild, auf 1600 km/h gedrosselt wird. Ein Spezialfallschirm - nach Angaben der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) mit dem weltweit besten Verhältnis von Gewicht zu Bremswirkung - übernimmt den Rest. Die 65 km/h Endgeschwindigkeit sollen dann von Airbags abgefedert werden.
Banges Warten eingeplant
Wenn alles nach Plan geht, stehen den Esa-Wissenschaftlern dann trotzdem gut zwei bange Stunden bevor. Denn erst, wenn der US-Satellit Mars Odyssey kurz nach der Landung die Gegend überfliegt, kann die Beagle 2 ein Signal senden, das die Odyssey dann in Richtung Erde weiter schickt. Ein Radioteleskop in Australien sollte dieses dann gegen 7 Uhr MESZ auffangen. Und weil ein einfaches Piepsen im Medien- und Pop-Zeitalter nicht ausreicht, wird das erste Signal eine Mini-Melodie mit neun Noten sein, komponiert von der britischen Rockband Blur. Kurz darauf soll dann das erste Panoramafoto folgen.

Sowohl der Landeapparat als auch der Satellit sollen auf dem Mars vor allem nach einem suchen: Wasser und damit verbunden Anzeichen von möglichem Leben in der Vergangenheit oder Gegenwart. Die Beagle 2 etwa hat ein Miniatur-Massenspektrometer an Bord, das Isotope von der Mars-Oberfläche untersuchen kann. Die Zusammensetzung dieser Varianten von einzelnen Elementen ist in lebenden Organismen meist eine andere als in der unbelebten Natur. Deshalb erwartet man bei der Esa durch diese Analysen zumindest Hinweise auf organische Vorgänge - wenn es denn je solche auf dem Mars gegeben hat. Auch einen Bohrer, der bis zu 1,50 Meter tief unter die Oberfläche vordringen kann, hat die Beagle 2 an Bord. Im Falle, dass die UV-Strahlung alles Leben an der Oberfläche unmöglich macht, könnten ja zumindest im abgeschirmten Untergrund Mikroorganismen existieren. Colin Pillinger, der Leiter der Beagle-2-Mission, hofft, dass der über Solarzellen mit Energie versorgte Landeapparat mindestens sechs Monate lang Daten zur Erde funken wird.
Suche nach Wasser
Von oben, aus einem extrem elliptischen Orbit, wird das Mutterschiff unter anderem mit seinem bodendurchdringenden Radar nach Zeichen von Wasser unter der Oberfläche suchen. Bis drei Kilometer tief will man so in den Roten Planeten eindringen. Für diese Arbeiten vom Orbit aus sind zunächst zwei Jahre eingeplant.

Mars Express ist die bisher kostengünstigste Mars-Mission. Veranschlagt sind 300 Millionen Euro. Die beiden Nasa-Missionen, die am 8. und 25. Juni starten werden, kosten insgesamt deutlich mehr als das Doppelte. Deren baugleiche Landeapparate sind technisch deutlich weniger aufwändig ausgestattet, verfügen jedoch im Unterschied zur Beagle 2 über Räder, die ihnen einen Aktionsradius von 1000 oder mehr Metern ermöglichen dürften.

Auch ein japanisches Raumschiff ist derzeit unterwegs zum Mars. Die Häufung der Versuche im Jahre 2003 erklärt sich vor allen dadurch, dass Erde und Mars sich derzeit so nahe sind wie die letzten 60.000 Jahre nicht mehr. Beste Voraussetzungen also für Reisen in die Nachbarschaft.

Auf die Frage, ob er denn ein bisschen aufgeregt sei, sagte Pillinger am Montag der BBC, dafür hätte er gar keine Zeit - er müsse einfach viel zu viele Fragen von Journalisten beantworten. Vielleicht ist das aber auch nur eine gute mentale Strategie zu einem Zeitpunkt, da sich ohnehin nicht mehr viel beeinflussen lässt. Die Statistik jedenfalls verspricht Spannung: Bisher waren weniger als die Hälfte der 30 Mars-Missionen letztendlich auch erfolgreich.


Für das Web ediert von Richard Friebe