08. Mai 2003 08:52
Der im vergangenen Jahr über Bayern niedergegangene Meteorit könnte zu einem noch unbekannten Meteoritenstrom gehören - Bruchstücke eines 'Geröllhaufens' im All.
Pavel Spurný von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften sowie Jürgen Oberst und Dieter Heinlein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt verglichen «Neuschwanstein» mit dem so genannten «Pribram»-Meteoriten von 1959. Der chemischen Analyse zufolge gehören beide zu unterschiedlichen Meteoritenklassen. Möglicherweise stammen sie von einem so genannten «Geröllhaufen»-Asteroiden, der immer wieder Bestandteile verliert.«Neuschwanstein» ist ein Bruchstück eines schätzungsweise 300 Kilogramm schweren Objekts, das am Abend des 6. April 2002 mit rund 21 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre eintrat und als gut sichtbarer Feuerball über den südbayerischen Himmel raste. Dank der Aufnahmen des «Europäischen Feuerkugelnetzes», eines über Mitteleuropa verteilten Kamera-Netzwerks, konnte das Fragment schließlich nahe des bayrischen Märchenschlosses gefunden werden.
Aufgrund seiner Zusammensetzung gehört Neuschwanstein zu einer bestimmten Meteoriten-Klasse, den so genannten Enstatit-Chondriten, während Pribram zu den gewöhnlichen Chondriten zählt. Auch in der Dauer ihrer Reise durch den Weltraum unterscheiden sich beide Objekte deutlich: Während der über Bayern niedergegangene Brocken nach der Trennung von seinem Mutterkörper 48 Millionen Jahre lang durch das Sonnensystem zog, brachte es sein tschechisches Pendant nur auf 12 Millionen Jahre.Spurný, Oberst und Heinlein weisen darauf hin, dass mehrere Asteroiden auf ähnlichen Bahnen wie die Vorläufer der beiden Meteoriten um die Sonne ziehen. Zumindest bei einem dieser Objekte, dem Asteroid 4486 Mithra, scheint es sich Radarbeobachtungen zufolge eher um einen lockeren Geröllhaufen als um einen festen Körper zu handeln. Die Gezeitenkräfte bei der Annäherung an einen Planeten könnten einzelne Brocken aus diesem Haufen lösen und so einen Strom von Gesteinsbrocken erzeugen. Für weitere Spekulationen über diesen möglichen «Pribram-Strom» sei es aber noch zu früh, betonen die Forscher. (nz/jkm)