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Frühe Asteroiden waren «heiße Zwiebeln»

04. Apr 2003 13:39
Die Schalen eines Uralt-Asteroiden. Aufgeklärt wurde die Struktur durch Analysen der Mineralien in Meteoriten.
Im frühen Sonnensystem hat sich Materie sehr schnell zu Planeten-Vorläufern – und dann auch bald echten Planeten - zusammen gefunden. In anderen Sonnensystemen könnten erdähnliche Planeten auf die gleiche Weise entstanden sein.

Die Gesteinsbrocken in der Nachbarschaft der jungen Sonne wurden auch von innen heraus erwärmt. Entsprechende Belege präsentiert eine deutsch-französische Forschergruppe im Magazin «Nature». Anscheinend versiegte die Wärmequelle jedoch binnen weniger Millionen Jahre.

Veteranen im Asteroiden-Gürtel

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  • Gas- und Staubhüllen in der Umgebung junger Sterne haben eine begrenzte Lebensdauer von etwa zehn Millionen Jahren, erläutert Mario Trieloff von der Universität Heidelberg und Hauptautor der Studie. Entsprechend eng sei das Zeitfenster für die Entstehung von Planeten und Kleinplaneten aus diesem Material. «Da in unserem Sonnensystem dieser Prozess schnell genug vonstatten ging, kann man annehmen, dass auch um andere Sterne - aufgrund ähnlich ablaufender Prozesse - Planetenbildung wahrscheinlich ist», so der Physiker und Geowissenschaftler.

    In unserem Sonnensystem haben sich die meisten dieser frühen Festkörper nach und nach zu Planeten zusammengefunden. Zwischen Mars und Jupiter allerdings gibt es nach wie vor einen Asteroiden-Gürtel. Dort gab und gibt es häufig Zusammenstöße solcher Gesteinsbrocken. Manche davon werden aus ihrer Bahn geworfen und finden teilweise ihren Weg zur Erde, wo sie als Meteoriten niedergehen können.

    Hitze innen, Abkühlung ausßen

    Mehr im Internet:
    Trieloff und seine Kollegen untersuchten verschiedene irgendwann auf die Erde gefallene Meteoriten aus der Gruppe der H-Chondriten, bei denen es sich wahrscheinlich um Bruchstücke eines einzigen Asteroiden handelt. Mineralogische Analysen zeigten, welchen Temperaturen das Material nach seiner Entstehung ausgesetzt war. Produkte und Spuren des Zerfalls radioaktiver Elemente wie Kalium-40 oder Plutonium-244 gaben zudem Aufschluss darüber, wie schnell die Proben im Verlauf der Zeit abgekühlt waren.

    Einige dieser von einem einzelnen Ur-Asteroiden (Planetesimal) abstammenden Meteoriten waren demnach bis auf etwa 850 Grad Celsius erhitzt worden und nur langsam, über einen Zeitraum von rund 160 Millionen Jahren, wieder abgekühlt. Das Material in anderen Meteoriten war dagegen nur auf 650 Grad erhitzt worden und binnen weniger Millionen Jahre abgekühlt. Erstere stammen aus dem Zentrum eines von innen heraus erwärmten Mutterkörpers, schließen Trieloff und seine Kollegen, letztere dagegen aus oberflächennahen Schichten.

    Zwiebeln im All

    Es ist das erste Mal, dass nachgewiesen werden konnte, dass ein Asteroid tatsächlich durch innere Wärme erhitzt wurde. Quelle für die Hitze war die Zerfallswärme des kurzlebigen Aluminum-Isotops Al-26, das nur im frühen Sonnensystem aktiv war. Wegen der sehr kurzen Halbwertszeit von Al-26 von nur 720.000 Jahren musste sich der Asteroid innerhalb weniger Millionen Jahre sehr schnell bilden, damit überhaupt noch eine effektive Aufheizung möglich war.

    Der Astrophysiker John Wood von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, kommentiert die Ergebnisse des Heidelberger Teams in derselben Ausgabe von «Nature». Die Tatsache, dass die Planetesimale offenbar aus verschiedenen, noch heute unterscheidbaren Lagen bestanden, deren äußere «Schalen» am schnellsten abkühlten, inspiriert ihn zu einem Vergleich: H-Chondriten stammen von Asteroiden ab, die ähnlich wie Zwiebeln aufgebaut waren.

    Einer der Co-Autoren der Studie, der Pariser Chemiker und Mineraloge Paul Pellas, ist inzwischen verstorben. Fast sein ganzes wissenschaftliches Leben hatte er sich mit den Methoden, die den jetzigen Ergebnissen zugrunde liegen, der so genannte Thermochronometrie, beschäftigt. John Wood nennt die Publikation in «Nature» denn auch einen «posthumem Triumph» für den «charismatischen Forscher». (nz/jkm)

     
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