Plutos kleiner Bruder
07.10.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Größenvergleich: Pluto, Quaoar, Erdmond (von links)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Astronomen haben am Rande unseres Sonensystems einen riesigen Asteroiden aufgespürt - das größte Objekt seit der Entdeckung des Planeten Pluto.
Kalifornische Astronomen haben an der Grenze unseres Sonnensystems einen rekordverdächtigen Kleinplaneten entdeckt. Mit einem Durchmesser von knapp 1300 Kilometern ist es das größte in unserem Planetensystem entdeckte Objekt seit der Entdeckung des Planeten Pluto vor gut siebzig Jahren. Der Fund nährt neue Spekulationen um einen zehnten Planeten im so genannten Kuiper-Gürtel.
Halb so groß wie PlutoDas etwa vier Milliarden Kilometer entfernte Objekt wurden von seinen Entdeckern Mike Brown und Chad Trujillo vom
California Institute of Technology (Caltech) «Quaoar» getauft. Der Name steht für eine mythische Schöpfungskraft des Tongva-Volkes, das im Becken von Los Angeles auf dem Gebiet des heutigen Caltech-Campus siedelte.
Der Asteroid ist etwa halb so groß wie Pluto und umkreist die Sonne alle 288 Jahre einmal. Auffällig ist dabei seine nahezu kreisförmige Umlaufbahn, die sich von der sehr exzentrischen Pluto-Bahn deutlich abhebt. «Quaoar befindet sich möglicherweise schon seit vier Milliarden Jahren auf dieser Umlaufbahn», so Brown.
Seit Jahren unerkanntEntdeckt wurde der Asteroid am 4. Juni dieses Jahres bei Beobachtungen mit dem Oschin-Teleskop des Palomar-Observatoriums im kalifornischen San Diego. Nach der ersten Sichtung von «Quaoar» sahen Brown und Trujillo ältere Aufnahmen verschiedener Teleskope durch. Dabei entdeckten sie, dass der Asteroid schon häufiger fotografiert worden war, ohne als neuer Himmelskörper erkannt worden zu sein. Die älteste Aufnahme stammte aus dem Jahr 1982. Anhand der Bilder konnten die Forscher die Umlaufbahn von «Quaoar» ohne größere Mühe berechnen.
«Quaoar» gehört zu den Objekten des so genannten Kuiper-Gürtels. Diese Zone jenseits der Neptun-Bahn wird von Asteroiden bevölkert, deren Zusammensetzung der Materieverteilung bei der Entstehung unseres Sonnensystems widerspiegelt. Erst Anfang der neunziger Jahre entdeckt, ist der Kuiper-Gürtel inzwischen in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses gerückt. Astronomen erhoffen sich von einer Untersuchung jener fernen Region ein besseres Verständnis der Entstehung von Sonne und Planeten.
Suche nach dem zehnten PlanetenZudem gilt der Kuiper-Gürtel als Entstehungsort des Planeten Pluto und als mögliche Heimat eines zehnten Planeten. Nach «Quaoar» dürften die Spekulationen um einen solchen «Transpluto» neue Nahrung erhalten. Zumindest scheint es jetzt nicht mehr ausgeschlossen, dass sich auch Objekte von planetaren Dimensionen am dunklen Rand des Sonnensystems tummeln. Der von der Finanzmisere der Nasa bedrohten Kuiper-Belt-Mission «New Horizons» könnte diese Entdeckung vielleicht doch noch den Durchbruch bringen.