18.04.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Im Kuiper-Gürtel Grafik: STScI
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Forschung in den Außenbezirken unseres Sonnensystems: Mit dem Hubble-Teleskop haben Astronomen ein ungewöhnliches Objekt im Kuiper-Gürtel untersucht.
Ein ungewöhnliches Pärchen am Rande unseres Sonnensystems haben Astronomen eines internationale Forschungsteams beobachtet. Mit dem Hubble-Weltraumteleskop untersuchten die Wissenschaftler das Doppelobjekt «1198 WW31» im so genannten Kuiper-Gürtel, einer Region jenseits von Pluto, dem äußersten Planeten.
Exzentrisches DoppelErst im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler entdeckt, dass es sich bei 1198 WW31 um ein Doppelsystem handelt: Unter den Milliarden von Objekten im Kuiper-Gürtel gehört er zu jener kleinen Gruppe von «binären Systemen», bei denen sich zwei Asteroiden umkreisen.
Wie die Wissenschaftler der Canada-France-Hawaii Telescope Corporation (CFHT) nun entdeckten, nimmt 1198 WW31 innerhalb dieser Gruppe einen besonderen Platz ein: Der Abstand zwischen den beiden Objekte variiert zwischen 4000 und 40.000 Kilometern. Damit bildet das auffällige Pärchen das exzentrischste aller Doppelsysteme im Sonnensystem.
Schwierige SucheFür Astronomen sind KBOs (
Kuiper Belt Objects) wie 1198 WW31 von besonderem Interesse, da die Materie des Kuiper Gürtels als Überbleibsel jener Wolke gilt, aus der vor mehr als 4 Milliarden Jahren das Sonnensystem entstand. Seit der Entdeckung des ersten KBOs im Jahre 1992 hatten Astronomen gemutmaßt, dass es auch im Kuiper-Gürtel, ähnlich wie im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, Doppelsysteme geben müsste. Wegen der großen Entfernung und der geringen Größe der Objekte weitaus die meisten KBOs haben einen Durchmesser von weniger als 10 Kilometern gestaltete sich die Suche jedoch schwierig.
Umso erstaunlicher war die Ausbeute, nachdem vor einem Jahr mit 1198 WW31 das erste binäre System entdeckt worden war: Sechs weitere Doppelasteroiden konnten seither nachgewiesen werden. «Es ist bemerkenswert, wie etwas, das so schwierig war und so lange gedauert hat, schließlich eine wahre Lawine von Entdeckungen ausgelöst hat», so Projektleiter Christian Veillet.
Für den Astronomen gehört die Erforschung der binären KBOs zu den besonders vielversprechenden Feldern der Astronomie: «Über ein Prozent der etwa 500 bislang bekannten KBOs sind binäre Systeme. Mehr über diese rätselhaften Objekte zu erfahren, dürfte zu den aufregendsten Forschungsaufgaben der kommenden Jahre gehören.»
Die Umlaufbahn eines der Asteroiden relativ zu seinem Partner.Foto: STScI