Rakete in Cape Canaveral gestartet:
Nasa blickt auf die dunkle Seite des Mondes
19.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die Nasa-Sonde LRO soll den Mond weiter kartografieren
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Gibt es Eis auf dem Erdtrabanten? Was steckt im Mondgestein? Und wo parkt der verschollene sowjetische Rover «Lunochod»? Um diese Fragen zu beantworten, sind zwei Sonden der US-Raumfahrtbehörde unterwegs.
Die Nasa hat ihre erste Mond-Mission seit elf Jahren gestartet. Fast genau vier Jahrzehnte nach der ersten bemannten Mondlandung hob am Donnerstag um 23.32 MEZ
in Cape Canaveral eine unbemannte Rakete mit zwei Sonden ab, die den Erdtrabanten Anfang kommender Woche erreichen sollen.
Das 583 Millionen Dollar (419 Millionen Euro) teure Projekt der US-Raumfahrtbehörde soll unter anderem eine mögliche Rückkehr von Menschen auf den Mond vorbereiten. Beteiligt sind daran auch Wissenschaftler aus Berlin und Münster.
Eine der Sonden soll den Mond mindestens ein Jahr lang umkreisen und eine dreidimensionale Karte seiner Oberfläche anfertigen. So will die Nasa mögliche sichere Landepunkte für Astronauten erkunden. Der «Lunar Reconnaissance Orbiter» (LRO) soll hoch auflösende, metergenaue Bilder und präzise Karten liefern, vor allem von den noch fast völlig unbekannten Gebieten am Nord- und Südpol des Mondes und auf der seiner von der Erde aus nicht sichtbaren Rückseite.
«Gezielter Absturz» in einen KraterDer Orbiter soll nach seiner Ankunft in rund vier Tagen ein Jahr lang den Mond umkreisen, exakte Landkarten erstellen und damit geeignete Landeplätze für ein bemanntes Raumfahrzeug aufzeigen. Der Satellit soll herausfinden, ob es in den Kratern an den kalten Mondpolen Eis gibt. Dazu ist im Oktober ein gezielter Absturz auf den Mond geplant.
Die andere Sonde, der «Lunar Crater Observation and Sensing Satellite» (LCROSS), soll im Oktober in einem dunklen Krater am Südpol des Mondes aufschlagen und dabei Gesteinsmaterial in die Höhe schleudern. Die Wissenschaftler erwarten eine fünf bis zehn Kilometer große Wolke aus Mondmineralien, die mit Teleskopen auch von der Erde sichtbar sein soll. Die aufgewirbelten Bodenproben werden analysiert und die Daten zur Erde gesendet.
Nach 322 Tagen verstummtAstronomen sind von der Entsendung des Roboter-Tandems zum Mond begeistert, denn das Projekt verspricht eine vielfältige Ausbeute. So könnten alte Geheimnisse um frühere Mondmissionen gelüftet werden. Wo ist der erste sowjetische Mondrover «Lunochod» geblieben, der seinerzeit nach einer 322-tägigen Reise so plötzlich verstummte, dass das Kontrollteam auf der Erde seine exakten Koordinaten nicht mehr herausfinden konnte?
Im nächsten Jahrzehnt will die amerikanische Raumfahrtbehörde erneut Menschen zum Erdtrabanten bringen. «Wir wollen zum Mond zurückkehren», sagte der Nasa-Wissenschaftler Richard Vondrak am Donnerstag. Die erste bemannte Mondlandung jährt sich am 21. Juli zum 40. Mal. Zuletzt hatten Amerikaner 1972 den Mond betreten. Danach hatte das Interesse der Nasa deutlich nachgelassen. Doch nach den Plänen des früheren Präsidenten George W. Bush sollen 2020 wieder Menschen den Mond betreten.
Bemannte Marsmission für 2037 geplantZiel ist demnach der Bau einer Station, die als eine Art Sprungbrett für eine erste bemannte Marsmission im Jahr 2037 dienen soll. Bushs Nachfolger Barack Obama lässt zurzeit aber alle bemannten laufenden und geplanten Nasa-Missionen auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis überprüfen, vom Engagement für die ISS bis hin zum Mond-Mars-Programm. (AP/dpa)