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Für die richtige Balance: 

Die Schuhsohle mit Gedächtnis

09. Aug 2008 15:28, ergänzt 17:45
Der Erfinder des 'iShoe', Erez Lieberman
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Wenn Astronauten aus dem All heimkehren, müssen sie ihre Gleichgewichtsprobleme bewältigen. Ein spezieller Schuh hilft ihnen dabei. Von der Entwicklung des «iShoe» könnten auch Senioren profitieren.

Eine Einlagesohle zur Vermeidung von Gleichgewichtsproblemen bei Astronauten könnte vielen älteren Menschen die Rettung bringen. Mit Sensoren zur Überprüfung der Balance des Schuhträgers könnte lebensgefährlichen Stürzen von Senioren vorgebeugt werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass Forschungsergebnisse der Raumfahrt positive Auswirkungen auf das irdische Alltagsleben haben.

Die Idee geht auf Erez Lieberman zurück, der vor einem Jahr ein Praktikum bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa absolvierte. Dort arbeitete der Harvard-Student der Technologie im Gesundheitswesen an einem Forschungsprojekt zur Frage, wie Astronauten nach längerem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit möglichst schnell ihre daraus resultierenden Gleichgewichtsstörungen überwinden könnten. Dies wäre von entscheidender Bedeutung für bemannte Flüge zum Mars. Astronauten müssten sofort nach der Landung topfit für ihre Aufgaben sein, müssten also ihre Balance praktisch umgehend wiederfinden.

Als Lösung wurde der «iShoe» entwickelt. Diese Einlage sammelt Daten darüber, wie sich das Gewicht des Schuhträgers auf die Fußsohle verteilt und vergleicht dies mit den Daten von Menschen ohne Gleichgewichtsstörungen. Von Astronauten wird erwartet, dass sie daraus selbst ihre Schlüsse ziehen und ihre Balance dem Idealstatus anzupassen versuchen. Lieberman und die mit ihm zusammenarbeitende Nasa-Wissenschaftlerin Katharine Forth dachten aber an die Nutzung des «iShoe»-Prinzips für ältere Menschen.

Folgenschwere Hüftfraktur

Beide hatten erlebt, dass ihre Großmütter wegen Gleichgewichtsstörungen stürzten, woraufhin sich ihr Gesundheitszustand rapide verschlechterte. Nach Angaben der US-Stiftung für Osteoporose sterben 24 Prozent der Senioren, die sich bei Stürzen eine Hüftfraktur zuziehen, binnen eines Jahres. Die Überlebenden sind häufig für den Rest ihrer Tage schwer behindert. Dem soll der «iShoe» vorbeugen.

Dabei handelt es sich nicht um ein unmittelbares Alarmsystem. Die aufgezeichneten Daten können dem Arzt jedoch hinreichenden Aufschluss über etwaige Gleichgewichtsprobleme des Schuhträgers geben. Wie Lieberman erläutert, treten solche Störungen nicht plötzlich auf, sondern kündigen sich schon lange vorher an - genau wie hoher Blutdruck und ein stark erhöhter Cholesterinspiegel vor einem Herzinfarkt warnen. Ist das Problem erst einmal erkannt, könnte man dann mit einer gezielten Krankengymnastik einen Ausgleich finden und die Balance des Patienten entschieden verbessern. «Man muss nicht ein für allemal mit einem schlechten Gleichgewichtssinn leben, man kann etwas dagegen tun», betont Forth.

Ärzte brauchen klare Daten

Robert Lindsay, Medizinprofessor an der Columbia University in New York, stimmt dem zu. Zugleich gibt er aber zu bedenken, dass der «iShoe» wirklich klare Daten liefern müsse, die von Ärzten eindeutig interpretiert werden könnten. Andererseits gebe es zurzeit noch kein System zur objektiven Messung von Gleichgewichtsproblemen, so dass Mediziner bei der Diagnose auf die subjektiven Angaben des Patienten oder ihre zeitlich begrenzten eigenen Beobachtungen angewiesen seien.

Ein Gerät zum Ausgleich dieses Mankos wäre also in jedem Falle willkommen. Lieberman und Forth betonen, dass ihr «iShoe» für etwa 100 Dollar verkauft werden könnte und damit für jeden erschwinglich wäre. Allerdings werden zunächst rund eine Million Dollar für die klinische Forschung benötigt und weitere drei bis vier Millionen, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Wenn dieses Geld aufgetrieben werden kann, könnte der «iShoe» schon in 18 Monaten verfügbar sein. (Jay Lindsay, AP)

 
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