29. Jul 2008 09:21
Ein Nasa-Satellit soll einen neuen Raumantrieb erproben. Raumfahrt-Romantiker könnten ins Schwärmen geraten, doch bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Mission als knallharte Wissenschaft.
Sobald «Nano-Sail-D» auf seiner stationären Umlaufbahn angekommen ist, wird ein filigranes, etwa neun Quadratmeter großes Sonnensegel aus Spezialkunststoffen entfaltet. Dessen hauchdünne Fläche soll den Strahlungsdruck des einprasselnden Stroms von Lichtteilchen (Photonen) der Sonne einfangen und damit das rund vier Kilogramm leichte Hauptmodul von der Größe eines Brotlaibs ausrichten und manövrieren. Einen anderen Antrieb hat der Satellit nicht. Verläuft der Test zufriedenstellend, dann könnten schon bald die ersten Satelliten mit Licht- statt Raketenkraft durchs All schippern. Kosmische Segeltörns wären nicht länger nur Seemannsgarn für Science- Fiction-Fans.Zwei Vorläufer von «NanoSail-D» sind allerdings an technischen Schwierigkeiten gescheitert. So löste sich 2001 eine von der gemeinnützigen Vereinigung «Planetary Society» gesponserte Solarsonde nicht von der Endstufe. Und im Juni 2005 blieb die Kapsel «Cosmos 1» nach dem Abschuss von einem russischen U-Boot verschollen. Die bisher einzige erfolgreiche Probeexpedition mit ähnlichem Ablauf gelang Forschern aus Japan. Im August 2004 setzte die Raumfahrtagentur Jaxa ein solargetriebenes Vehikel aus allerdings nur mit einer Höhenforschungsrakete, die nicht bis ins All vordrang.
«Es ist wirklich schwierig, diese großen Strukturen im Orbit zu entfalten», erklärt Klaus Schäfer vom Institut für Raumfahrtantriebe am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen. Zwar habe sich das Know-how «erheblich verbessert». Ob derlei Antriebstechniken eines Tages auch bei großen Orbitern zum Einsatz kommen, bleibt Schäfer zufolge jedoch umstritten. Die Schubwirkung der Solarmodule sei zu gering für kommerzielle Zwecke. «Sicher ist es ein Vorteil, wenn man keinen Treibstoff mitnehmen muss. Bisher sind Solarmodule aber eher auf wissenschaftliche Anwendungen begrenzt.»