14. Mai 2008 10:04, ergänzt 16:23
Die jüngsten Erfolge der europäischen Raumfahrt beflügeln die Pläne der Esa. Neben einer Erweiterung des europäischen Transporteres ATV wird auch ein gemeinsames Raumschiff mit Russland geplant.
Eine politische Entscheidung für die Pläne stehe aber in Deutschland und den europäischen Partnerländern noch aus. Die Technik basiere auf dem jüngst an der Internationalen Raumstation ISS angedockten ATV-Transporter (Automated Transfer Vehicle) «Jules Verne». «Wir haben als Europa in der Welt Aufsehen erregt», sagte Wörner mit Blick auf die jüngsten Erfolge der europäischen Raumfahrt. Neben dem geglückten Start und dem Andockmanövers des vollautomatischen ATV zielte er dabei auch auf das in Bremen gebaute Weltraumlabor «Columbus». Die Raumfahrt sei in Europa wieder in einem besonderen Maße in den Mittelpunkt gerückt. Die Logik sei dann auch, wie man mit dieser Technik Menschen befördern könne.
Animation der ATV-Mission. Quelle: Esa
Für Frachtkapazitäten gebe es ohnehin Bedarf, besonders wenn im Jahr 2010 voraussichtlich das US-Shuttle-Programm eingestellt werde. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa beziffere den Transportbedarf für die ISS auf rund eine Tonne im Jahr. Die russischen «Sojus»-Kapseln könnten aber gerade mal einige wenige Kilogramm mitnehmen. Die genauen Kosten für ein solches Programm wollten Wörner und Dudok nicht nennen. «Wir reden nicht über eine Milliarde», sagte er. Technisch basieren die Pläne nach einer Studie von EADS-Astrium auf der ATV-Technik zusammen mit jeweils einer Kapsel, in der dann Lasten oder bis zu drei Astronauten transportiert werden könnten. Das erste, 1,3 Milliarden Euro teure ATV war am 9. März mit einer Ariane 5-Rakete gestartet und hatte nach einigen Tests am 3. April vollautomatisch an die ISS angedockt. Die Raumfähre wird nach sechs Monaten mit dem Müll der ISS zur Erde zurückkehren und beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühen.
Der ATV ist nicht das einzige Projekt der Europäer für die bemannte Raumfahrt: Wie die russische Raumfahrtagentur Roskosmos mitteilte, soll ein von Russland und Europa gemeinsam entwickeltes Raumschiff bis zum Jahr 2018 zu seinem ersten bemannten Flug starten. Der Raumgleiter könne bis zu sechs Besatzungsmitglieder aufnehmen und von Ostsibirien aus starten. Der erste Testflug ist demnach für 2015 geplant. Russland sei für den Bau der Kapsel verantwortlich und die europäische Agentur ESA für das Servicemodul und den Antrieb. Das Projekt hängt nicht mit dem Raumtransporter zusammen. (dpa/AP)