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US-Wahlen 2008

Ausrutscher im US-Vorwahlkampf: 

Pleiten, Pech und Pannen

24. Mai 2008 14:32, ergänzt 04. Jun 2008 10:55
Es tut ihnen leid. Immer wieder
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Das jüngste Dementi von Hillary Clinton zu den Rückzugs-Andeutungen ihres Mannes ist eine von vielen Pannen im US-Vorwahlkampf. Beide Kandidaten mussten sich ständig für irgendwelche Fehltritte entschuldigen. Mit Videos

Es ging gar nicht immer nur um Angriffe auf die direkten Konkurrenten. Manchmal rutschte den demokratischen Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur einfach so eine unpassende Bemerkung heraus. Meist war eine Kamera oder ein Journalist zugegen, um den Moment festzuhalten. Die Netzeitung zieht eine Beichtbilanz:

Die Heckenschützen-Blamage

Mit dem Schachzug wollte Cliton ihre außenpolitische Kompetenz unter Beweis stellen. Also erzählt sie davon, wie Heckenschützen sie im Bosnien-Krieg unter Beschuss nahmen, während sie mit ihrem Mann dort landete.


Dummerweise existierten Videoaufzeichnungen von der Ankunft in Sarajevo, die einen eher friedlich-fröhlichen Eindruck vermitteln. Die Senatorin musste sich für das Bosnien-Märchen entschuldigen.

Das King-Chaos

Nachdem Barack Obama immer wieder von den Verdiensten Martin Luther Kings für Amerika gesprochen hatte, reichte es Hillary Clinton irgendwann. Alles schön und gut, sagte sie schließlich, aber um Kings Traum umzusetzen, habe es erst einen Präsidenten wie Lyndon Johnson gebraucht. Einen weißen. Das erwähnte sie bei der Gelegenheit allerdings nicht extra. Der Aufschrei in der schwarzen Community war groß. Clinton bemühte sich um eine «Klarstellung».

Der Rassen-Vorwurf

«Wenn Obama weiß wäre, wäre er nicht in dieser Position. Und wenn er eine Frau wäre, wäre er auch nicht in dieser Position. Er kann von Glück sagen, dass er ist, wer er ist.» Das sagte zwar nicht Hillary Clinton selbst, sondern ihre Beraterin. Trotzdem entschuldigte sich Clinton anschließend dafür. Geraldine Ferraro, von der das Zitat stammt, flog aus dem Kampagnen-Stab. In einer ähnlichen Angelegenheit, musste sie «sorry» sagen, weil ein Berater Obama wegen früheren Drogenkonsums diskreditieren wollte.

Die Kennedy-Entgleisung

Hillary Clinton sah sich im Mai schon wieder zu einer Entschuldigung gezwungen: Im Gespräch mit Journalisten des «Sioux Falls Argus Leader» aus South-Dakota wollte sie rechtfertigen, warum sie trotz Rückstand bei den Delegiertenstimmen an ihrer Bewerbung festhält. Zur Begründung verwies sie darauf, dass auch ihr Mann 1992 erst Mitte Juni den Durchbruch für die Nominierung geschafft habe. «Wir erinnern uns auch alle an die Ermordung Bobby Kennedys im Juni» (1968), fuhr Clinton fort.

Die Bemerkung wurde sowohl wegen der schweren Gesundheitsprobleme von Senator Edward («Ted») Kennedy als auch wegen der potenziellen Anschlagsgefahr für Clintons innerparteilichen Rivalen Barack Obama als unpassend empfunden. «Ich erkläre mein Bedauern, wenn meine Hinweise in diesem dramatischen Moment unserer Geschichte, insbesondere für die Familie Kennedy, irgendjemand verletzt haben sollten», sagte Clinton.

Was die Entschuldigungs-Frequenz anbelangt, stand Barack Obama seiner Mitbewerberin nicht im geringsten nach:

Der Sweetie-Ausrutscher

Bei einem Werksbesuch in Detroit wollte eine Reporterin von Obama wissen, was er denn für die Beschäftigten in der Autobranche tun könne. Daraufhin er: «Warte mal 'ne Sekunde, Sweetie.» Eine Journalistin «Schätzchen» zu nennen ist in Amerika nicht gerade üblich, weshalb ihm einige Beobachter postwendend Sexismus vorwarfen.


Die Reporterin selbst fand den Vorfall überhaupt nicht schlimm. Obama sprach ihr später trotzdem auf den Anrufbeantworter: Alle Leute «Sweetie» zu nennen, sei eine wirklich schlechte Angewohnheit von ihm.

Der Arbeiter-Schnitzer

Vor den Vorwahlen in Pennsylvania sagte Barack Obama ein bisschen sehr offen, was er von der dortigen männlichen Arbeiterklasse hielt. Die seien alle etwas verbittert und würden sich deshalb verzweifelt an Waffen oder der Religion festklammern. Der Aufschrei blieb nicht aus. Obama hatte etwas klarzustellen.

Der Soldaten-Skandal

Er hatte kaum seine Kandidatur für die demokratische Nominierung bekannt gegeben, da musste Barack Obama sich im Februar 2007 schon bei den Angehörigen der US-Armee entschuldigen. Etwas leichtfertig hatte er davon gesprochen, dass die Leben der tapferen Soldaten im Irak verschwendet würden. «Verschwendung» schien vielen angesichts tausender Toter keine allzu glückliche Formulierung. Der Senator ruderte umgehend zurück.

Nicht immer waren es die Kandidaten selbst, die sich einen Patzer leisteten. Manchmal wurden sie auch von ihren engsten Vertrauten in die Bredouille gebracht:

Das Stolz-Statement

Barack Obama geriet durch seine Frau in so eine unangenehme Situation. «Das erste Mal in meinem Leben bin ich wirklich stolz auf mein Land», sagte Michelle Obama am 18. Februar bei einem Wahlkampfauftritt in Nashville, Tennessee. Sie wurde daraufhin sofort als unpatriotisch beschimpft. Der Politiker beeilte sich, seine Gattin zu unterstützen: Michelle habe den Stolz auf das politische System gemeint, erklärte er. Seine Frau betrachte die politischen Abläufe in den USA «mit einigem Zynismus, aus gutem Grund, und damit steht sie auch nicht allein.»

Die Gatten-Bremse

Auch seiner Kontrahentin erging es nicht besser. Ihr Mann Bill Clinton zählte am Sonntag scheinbar bereits die Stunden bis zu ihrem Rückzug: «Dies könnte der letzte Tag sein, an dem ich an einem Rennen wie diesem beteiligt bin», sagte er. In US-Medien wurden seine Worte als Anfang vom Ende interpretiert. Das Clinton-Lager bemühte sich um Schadensbegrenzung und dementierte umgehend: Der ehemalige US-Präsident habe lediglich auf das Ende des Vorwahlkampfes angespielt.

Die Kirchen-Affäre

Barack Obamas langjähriger Freund und geistlicher Berater Jeremiah Wright geriet im März unter Beschuss, weil er den 11. September als Folge der US-Außenpolitik bezeichnet. Der Prediger hatte erklärt, für den Anschlag auf das World Trade Center sei der US-«Terrorismus» verantwortlich und in der Kirche seiner Gemeinde dazu aufgerufen, «God damn America» statt «God bless America» zu singen.

Auch Wrights Bewunderung für den rassistisch-antisemitischen Sektenführer Louis Farrakhan erntete Kritik, die schließlich auch Obama abbekam. Der Senator reagierte, kritisierte Wright scharf und zog Konsequenzen: Obama trat Anfang Juni aus seiner langjährigen Kirchengemeinde in Chicago aus. «Wir wollen uns nicht für alles, was in der Kirche gesagt wird, verantworten müssen», sagte Obama dem Nachrichtensender CNN zur Begründung seiner Entscheidung.

 
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