05.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Republikaner John McCain kämpft um die US-Präsidentschaftskandidatur
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Sein Comeback hat viele überrascht. Doch der Republikaner John McCain überzeugt durch seine Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit - auch seine Gegner zollen ihm dafür Respekt. Michaela Duhr stellt ihn vor.
«Haben Sie kein Mitleid mit mir. Ich werde auch kein Mitleid mit mir selbst haben», versicherte John McCain jüngst in Anspielung auf eine mögliche Niederlage im Rennen um das Weiße Haus. In Umfragen liegt der 72-Jährige schon seit Wochen hinter seinem demokratischen Rivalen Barack Obama. Und auch die US-Medien haben damit begonnen, den weißhaarigen Senator abzuschreiben. Dennoch: Aufgeben will der Vietnamkriegsveteran nicht.
Zu Beginn des Wahlkampfes sah alles noch ganz anders aus: Dem Senator aus Arizona gelang es sehr schnell, seine innerteilichen Kontrahenten abzuhängen. Viele sahen darin einen großen Vorteil, denn McCain konnte sich schon frühzeitig auf die Wahl im 4. November konzentrieren, während Obama monatelang in einem erbitterten Zweikampf mit Hillary Clinton um seine Kandidatur rang.
McCain setzte in seinem Wahlkampf zunächst ganz auf seinen Erfahrungsvorsprung. Auf die fast schon obligatorische Fragen nach seinem Alter entgegnete er meist scherzhaft: «Ich bin älter als Dreck und habe mehr Narben als Frankenstein.» Inzwischen witzelt er nicht mehr, denn das Thema hat mit der Nominierung der umstrittenen Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, zur Vize-Kandidatin höchste Brisanz: Palin, die erhebliche Wissenlücken und große Unerfahrenheit an den Tag legt, wäre als Vize-Präsidentin nur einen Herzschlag vom höchsten Staatsamt entfernt - für die meisten Amerikaner eine erschreckende Vorstellung.
Die Bedenken sind berechtigt: Nicht nur weil McCain seit 1993 mehrfach wegen Hautkrebs behandelt wurde, sondern auch weil er bei Amtsantritt der älteste Präsident der Vereinigten Staaten wäre. Ronald Reagan war 69 Jahre alt, als er 1981 ins Weiße Haus zog. Im Jahr 2000 bemühte sich McCain schon einmal um eine Präsidentschaftskandidatur, unterlag seinerzeit jedoch dem heute amtierenden US-Präsidenten George W. Bush.
Jahrelange Folter in NordvietnamJohn Sydney McCain III wurde am 29. August 1936 in Panama geboren. Der Sohn eines Vier-Sterne-Admirals schlug zunächst wie Vater und Großvater - eine militärische Laufbahn ein. Nach seinem Abschluss an der Marineakademie von Annapolis zog er 1967 als Jagdflieger in den Vietnam-Krieg. Über Hanoi wurde er einige Monate später abgeschossen und geriet in nordvietnamesische Kriegsgefangenschaft. Dort wurde er jahrelang schwer gefoltert, wovon er bleibende körperliche Schäden davontrug. Erst 1973 kam er frei und kehrte in die USA zurück. Acht Jahre später nahm er seinen Abschied von den Streitkräften.
Damals zerbrach auch seine Ehe - eine Erfahrung, die er als «mein größtes moralisches Scheitern» bezeichnet hat. Kurze Zeit später heiratete er Cindy Hensley, die 17 Jahre jüngere Tochter eines Brauunternehmers in Phoenix. Das Paar hat vier Kinder, das jüngste adopierten die McCains aus einem Waisenhaus in Bangladesh. Zudem hat McCain drei weitere Kinder aus seiner ersten Ehe.
1982 wurde McCain ins Abgeordnetenhaus von Arizona gewählt. Fünf Jahre später folgte die Wahl in den US-Senat für Arizona, in dem er heute noch sitzt. Vor acht Jahren kämpfte McCain schon einmal um das Präsidentenamt, unterlag im innerparteilichen Wettstreit jedoch dem jetzigen Amtsinhaber George W. Bush. Dessen Lager hatte Gerüchte gestreut, McCain habe ein uneheliches Kind mit einer Schwarzen. Gemeint war Bridget - das von den McCains adopierte Waisenkind.
Manchen Parteigenossen ist McCain nicht konservativ genug. Mehrfach verstieß er mit seinem Abstimmungsverhalten gegen die Parteidisziplin. So votierte er gegen die Steuersenkungsprogramme von US-Präsident Bush. Er selbst fordert zwar auch niedrigere Steuern, allerdings nur wenn die Ausgaben gekürzt werden. In seinem Wahlprogramm spricht er sich für eine liberale Einwanderungspolitik aus und räumt dem Umweltschutz eine weit höhere Priorität ein, als so manchem Republikaner lieb ist.
Befürworter des Irak-KriegesDer Kriegsveteran kämpfte zudem massiv gegen die von US-Präsident Bush angestrebte Aufweichung des Folterverbots bei Terror-Verdächtigen. Amerika dürfe im Kampf gegen den Terror seine Werte nicht aufgeben, warnte McCain im November 2005. Dazu gehöre die Einhaltung der Menschenrechte, «ganz gleich, wie schrecklich unsere Gegner auch sein mögen».
McCain vertritt aber auch äußerst konservative Positionen: Er ist strikter Abtreibungsgegner, will das liberale Waffengesetz nicht antasten, lehnt gleichgeschlechtliche Ehen ab und steht für ein eher traditionell-konservatives Familienbild.
McCain ist vehementer Befürworter des Irak-Krieges, allerdings kritisiert er die Art und Weise, wie die Bush-Regierung den Krieg «managt». Er lehnt einen Rückzug ab und forderte stattdessen, mehr Soldaten in das Land zu schicken auch wenn das bei den meisten Amerikanern nicht ankommt. Doch vor unpopulären Forderungen scheut McCain nicht zurück, wofür ihm seine Gegner Respekt zollen. Sie schätzen ihn für seinen Mut, seine Geradlinigkeit und Prinzipientreue.