20.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Obama bei seiner Vereidigung
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mehr als zwei Monate nach der Wahl ist Barack Obama in sein Amt eingeführt worden. Ganz glatt ging das nicht. Mit Video
Vielleicht war er zu aufgeregt, vielleicht etwas abgelenkt von den Hunderttausenden direkt vor ihm zu Füßen des Kapitols in Washington: Barack Obama musste bei seiner Vereidigung als 44. Präsident der USA zwei Mal neu ansetzen, um den vorgesprochenen Text korrekt nachzusprechen.
Der kleine Stolperer sorgte für ein Lächeln auf dem Gesicht Obamas und sicherlich für ein erleichtertes Aufseufzen bei allen, die es mitbekamen: Er ist menschlich!
Die nicht ganz glatt gegangene Vereidigung ändert natürlich nichts daran, dass mehr als zwei Monate nach der Wahl nun ein neuer Präsident im Amt ist. George W. Bush ist Geschichte. Unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Menschenmassen, die zur Feier des Tages stundenlang in der Kälte ausgeharrt hatten, sagte Obama «Ja».
«Ich gelobe feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich verwalten und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften erhalten, schützen und verteidigen will.» Bei der Vereidigung legte der neue US-Präsident die Hand auf eine Bibel. Der in der Verfassung verankerten Eidesformel fügte er wie seine Vorgänger den religiösen Zusatz hinzu: «So wahr mir Gott helfe.» Obama ist der 44. Präsident der USA und deren erstes Staatsoberhaupt mit dunkler Hautfarbe.
Minuten zuvor war er rein rechtlich ohnehin schon US-Präsident geworden, weil die Verfassung des Landes es vorsieht, dass der neue Präsident um 12 Uhr sein Amt übernimmt.
Ex-Senator Joe Biden hatte zu dem Zeitpunkt ebenfalls sein «Ja» gesagt und sein Amt als Vizepräsident übernommen.
Doch noch einmal von vorne: Barack Obama im schlichten dunklen Anzug, die Töchter Malia und Sasha in dicken Mänteln (blau und rot) und ihre Mutter Michelle in goldenem Etui-Kleid mit passendem Mantel trafen kurz nach 11 Uhr Ortszeit bei strahlendem Sonnenschein am Kapitol ein.
Dann-Noch-Präsident George W. Bush und Noch-Vizepräsident Dick Cheney durften noch einmal die Treppen herunter schreiten. Die Menschenmassen standen jubelnd in der Eiseskälte dieses denkwürdigen Januar-Tags.
Pastor Rick Warren, ein gemäßigter Evangelikaler, hatte die Ehre der ersten Ansprache: Ein Bittgebet. Für den neuen Präsidenten und eine Welt, in der Menschen miteinander lebten, egal welcher Herkunft, betete Warren. Er schloss mit dem Gebet, das alle Christen eint: dem Vaterunser.
Dann sang Aretha Franklin. Voller Inbrunst, mit starker Stimme, wie die Welt sie seit Jahrzehnten kennt.
An der Zeremonie vor dem Westflügel des Kapitols in Washington nahmen mehr als eine Million Menschen teil. Viele hatten sich schon nachts auf den Weg gemacht. Die Prachtmeile National Mall füllte sich bereits bei Sonnenaufgang. Für Obama und seinen Stellvertreter Joe Biden begann der Tag mit einem Gottesdienst in der Kirche St. John's, in der schon jeder Präsident seit dem vierten Staatsoberhaupt James Madison betete. Danach besuchten die Politiker den bisherigen Präsidenten Bush im Weißen Haus, wo Obama und Biden sowie ihre Frauen zur traditionellen Kaffeestunde empfangen wurden.
Die Bewohner der Region, in der mehrere Millionen Menschen leben, mussten erhebliche Beeinträchtigungen in Kauf nehmen. Alle Brücken vom Nachbarstaat Virginia stadteinwärts wurden für den Autoverkehr gesperrt und ein Großteil der Innenstadt zur Sicherheitszone erklärt. Zwei U-Bahnhöfe an der National Mall waren die meiste Zeit geschlossen.(AP/ nz)