03.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
So oder so ähnlich sehen wir ihn bald in Washington
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kenia-Washington zum Januar-Sparpreis, Sonderflüge aus allen US-Bundesstaaten: Für Obama machen sich selbst Menschen auf, die sonst wenig reisen. Maritta Tkalec über die Vorfreude auf den 20. Januar.
Advent heißt: «Er kommt». Dem vorchristlichen Lateiner verhieß das Wort vor allem den Besuch eines Amtsträgers, insbesondere die Ankunft von Königen oder Kaisern. Im aktuellen Fall ist sie für den 20. Januar 2009 in Washington vorgesehen. Dann beginnt das Obama-Zeitalter - und alle, alle wollen dabei sein.
Amerikanische Fluglinien richten Sonderflüge aus allen Landesteilen ein. Die Washingtoner Flughäfen rechnen vom 17. Januar an mit einem Rekord-Verkehrsaufkommen. Im Internet sind Karten (250 Dollar aufwärts) für diverse Inaugurationsbälle zu reservieren. Endlich darf man einmal zutreffend sagen, Washington werde das Mekka der westlichen Hemisphäre. Mehr noch: der ganzen Welt.
Reiselust regt sich in einem Land, dessen Bevölkerung bisher nicht durch Party-Ferntourismus auffiel: Kenia. Doch seit der Wahl jenes Mannes, der gerne erzählt, wie sein kenianischer Vater als Kind in der Savanne Ziegen hütete, ist Ostafrika gefühlsmäßig in unmittelbare Nähe des Weißen Hauses gerückt. Warum sollte man dort nicht mitfeiern? Kenyan Airways erleichtert die Entscheidung und bietet ab sofort einen speziellen Obama-Tarif für Flüge nach Washington an. Der Sonderpreis gilt für die zweite Januarhälfte und liegt bei tausend US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als der normale Preis.
Umbenennung in Obama-AirportUnd es wird noch komfortabler: Geflogen wird nicht nur von Nairobi, sondern auch direkt von Kisumu aus. Das ist die Hauptstadt jener Provinz, in der Barack Obamas Vater geboren wurde. Deren Flugplatz wird soeben renoviert, eine Umbenennung in Obama-Airport steht bevor. Überhaupt hat die Gegend bisher viele praktische Vorteile von der Wahl: So wurde die Hauptstraße des Dorfes Kogelo geteert, damit Journalisten und Pilger, die unbedingt Obamas Omas Sarah sehen wollen, nicht durch Staub oder Schlamm müssen. Die Dame hat nun auch elektrisches Licht, für eine 86-Jährige sehr von Nutzen. Zur Amtseinführung will sie gerne reisen. Das wird nun einfacher.
Obamas erweiterte afrikanische Familie ist groß, es gibt 3,4 Millionen Luos. Man wacht aus der Ferne über sein Schicksal, beobachtet, wie letzte Obama-Hasser in den USA versuchen, dessen Wahl anzufechten. Diese ziehen die Echtheit seiner Geburtsurkunde aus Hawaii in Zweifel, behaupten, er sei in Wahrheit Kenianer.
Am 8. Dezember prüft das Oberste Gericht in Washington die Sache. Pro forma. Kenias Presse berichtet ausführlich. Man hat da im eigenen Land so seine Erfahrungen mit der Anfechtung von Wahlergebnissen. Aber Washington wird am 20. Januar 2009 gewiss anders aussehen als Kisumu ein Jahr zuvor. Kein blutiger Ball. Ein Fest der Seligkeit für Millionen.
Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».