17.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Seit der Präsidentschaftswahl sind die Waffenverkäufe enorm gestiegen.
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Die Amerikaner decken sich mit Revolvern und Gewehren ein, als drohe ein Krieg im eigenen Land. Manche Waffenhändler kürten den künftigen Präsidenten Obama bereits zum «Verkäufer des Monats», wie Michaela Duhr berichtet.
Der künftige Präsident Barack Obama hat der US-Waffenbranche gewaltige Umsätze beschert. Die Amerikaner kaufen so viele Gewehre und Revolver wie seit dem 11. September nicht mehr. «Ich arbeite seit zehn Jahren in dieser Branche, aber so etwas habe ich noch nie erlebt», sagte ein Waffenhändler in Colorado dem konservativen US-Sender Fox News. «Auch vor der Jahrtausendwende und nach dem 11. September boomte das Geschäft, doch das war nichts im Vergleich zu dem was in den vergangenen Wochen hier los war.»
Das Geschäft floriert nicht nur in Colorado. Im ganzen Land gehen Revolver, Pistolen und Gewehre schneller über den Ladentisch als Händler die Regale nachfüllen können. In einigen Geschäften schnellten die Verkäufe seit den Präsidentschaftswahlen am 4. November um bis zu 60 Prozent nach oben. Warum? Amerikas Waffennarren fürchten, dass die künftige Regierung in Washington das großzügige Waffenrecht einschränken wird.
Investieren in Waffen«Die Leute haben Angst, dass sie bald gar keine Waffen mehr kaufen können», meinte ein Händler in Kensington im Bundesstaat Maryland. Von einem kalifornischen Ladenbesitzer wurde Obama denn auch gleich zum «Verkäufer des Monats» gekürt. Im amerikanischen Südwesten sprechen Waffenkunden bereits von einem Investment ähnlich dem Kauf von Gold.
Zwar hatte Obama während seines Wahlkampfes mehrfach versichert, er werde an dem Zweiten Verfassungszusatz aus dem Jahr 1791 festhalten, der amerikanischen Bürgern das Waffenrecht garantiert. Waffenfreunde scheint das allerdings nicht zu überzeugen. «Ich habe Angst, dass Obama mein Recht, eine Waffe zu besitzen, aufheben wird», sagte Bryan Watters der kalifornischen Zeitung «Union Tribune».
Ein Trick der Waffenlobby In seiner Amtszeit als Senator von Illinois stimmte Obama regelmäßig für Initiativen zur Waffenkontrolle. Außerdem unterstützte er wie auch sein Vize-Präsident Joe Biden - das Verbot von halbautomatischen Waffen, das in Kalifornien bereits umgesetzt wurde. Das Gesetz war 1994 von dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton unterzeichnet worden. Vor vier Jahren trat es außer Kraft.
Hinter den panikartigen Waffenkäufen vermuten manche Demokraten nicht zuletzt die einflussreiche Waffenlobby National Rifle Association (NRA). «Es ist ziemlich offensichtlich, dass das Ganze von der NRA und den Waffenhändlern ausgeheckt wurde», meint die demokratische Kongressabgeordnete Eleanor Holmes Norten. Der Sprecher der größten landesweiten Vereinigung gegen Waffengewalt, Peter Hamm, findet den Ansturm «ein wenig albern». Überrascht ist Hamm allerdings nicht und erinnert an eine millionenschwere Kampagne der NRA gegen Obama.
Das amerikanische Waffenrecht ist auch im eigenen Land heftig umstritten. Im Jahr 2005 starben 29.684 Menschen durch Schusswaffen: Davon begingen rund 17.000 Selbstmord, mehr als 12.000 wurden ermordet, die anderen starben durch Unfälle.
Zuletzt erschütterte ein ungewöhnliches Verbrechen in St. Johns in Arizona die Öffentlichkeit: Vor knapp zwei Wochen erschoss ein Junge seinen Vater und dessen Untermieter. Der Achtjährige, dem der Vater das Schießen selbst beigebracht hatte, wurde wegen zweifachen vorsätzlichen Mordes angeklagt.