07.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Rahm Emanuel wird Obamas Büroleiter
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In Washington wird Rahm Emanuel gerne «Rahm-bo» oder «O-rahm-a» genannt. Der neue Stabschef des Weißen Hauses gilt als temperamentvoll, ehrgeizig und absolut loyal, berichtet Jens Teschke .
Vor drei Jahren schon überschrieb das «Rolling Stone Magazine» eine Geschichte über den damaligen demokratischen Abgeordneten aus Illinois Rahm Emanuel mit dem Titel: «The Enforcer». Dieses Image hat Rahm in den vergangenen drei Jahren nicht abgelegt; im Gegenteil: Emanuel wird heute noch stärker als «Vollstrecker» gesehen. Thomas Mann von der Brookings Institution beschreibt ihn als «einen Mann von außergewöhnlicher Intelligenz, Können und Durchsetzungsfähigkeit». Im Online-Magazin «DailyBeast» nannte Mann die Entscheidung Obamas für Emanuel als Stabschef im Weißen Haus eine «faszinierende, gute Wahl».
Mit dem Steakmesser zugestochenAnekdoten gibt es über Emanuel zuhauf. Sie erwecken den Eindruck, dass der 48-Jährige nicht immer ganz rational an Politik heran geht. So soll er einmal in Chicago einer Umfrageagentur einen riesigen, faulenden Fisch ins Büro geschickt haben. Auch schön ist die Geschichte, dass er nach der Wahl Bill Clintons im Jahr 1992 bei einem Galadiner aufsprang und politische Gegner des neu gewählten Präsidenten laut mit den Worten «Tot, sie sind alle tot!» bedacht haben soll. Anschließend habe er mit einem Steakmesser in den Holztisch gestochen, der danach einer Mondlandschäft geähnelt haben soll.
Knallharter SpendeneintreiberSeine politische Karriere begann Emanuel als Spendeneintreiber für Chicagos legendären Bürgermeister Richard Daley. Schon damals galt er als knallhart. Als die meisten Spender sich mit 5000 Dollar an der Kampagne beteiligten, Emanuel aber mehr Geld benötigte, rief er die Unterstützer zu höheren Gaben auf. Wer
nicht mehr spendete, sei von Emanuel angerufen worden und habe zu hören bekommen, dass er sich schämen solle, so wenig für den Bürgermeister zu tun, erzählte Emanuels Bruder William dem «Rolling Stone». Mit sieben Millionen Spendengeldern war die Daley-Kampagne so gut ausgestattet wie selten eine Bürgermeister-Wahl zuvor. Konsequenz: Emanuel erhielt ein Job-Angebot vom Clinton-Lager.
Seine ruppige Art, andere sprechen von Arroganz und Wahnsinn, ließen manchen Mitarbeiter unter ihm während der Clinton-Jahre stöhnen und leiden. Selbst Hillary Clinton habe ihn zwischenzeitlich degradiert, heißt es. Dem überparteiischen Ansatz, den Obama im Wahlkampf versprochen hat, steht Rahm Emanuel auf jeden Fall entgegen. Keiner ist parteiischer und polarisierender als der Vater von drei Kindern.
Früher Ballett, jetzt ParteiAuf der anderen Seite entkräftet die Entscheidung für Emanuel all diejenigen Obama-Gegner, die ihm im Wahlkampf Antisemitismus vorwarfen. Emanuel ist Sohn eines jüdischen Vaters, der aktiv im Widerstand gegen die palästinensischen Bewohner vor der Gründung Israels kämpfte. Emanuels Vater soll dabei sogar an einem Bombenattentat auf eine Hotel beteiligt gewesen sein. Auch das Argument, Obama sei ein Sozialist wird durch die Berufung Emanuels entkräftet. Emanuel war drei Jahre lang Chef der Chicago-Filiale der Investmentfirma Dresdner Kleinwort Wasserstein und verdiente sein Vermögen dort.
Seine Kampfeslust und sein Ehrgeiz, seine Rastlosigkeit und seine Arbeitswut lassen sich vielleicht familiär erklären. Er ist der zweite von drei Söhnen, mit einem Arzt als Vater und einer Bürgerrechtsaktivistin als Mutter. Sein älterer Bruder ist ein anerkannter Medizin-Ethiker, sein jüngerer Bruder der Hollywood-Agent Ari Emanuel. Als Kind war Emanuel in einer Balletgruppe. Den Ruf, ein verweichlichter Balletjunge zu sein, musste er durch jahrelanges hartes politisches Engagement erst wieder los werden.